Lebensweisheiten und fromme Sprüche in den Putz gekratzt: SGRAFFITOS

Wer sich mit Inschriften auf Hauswänden beschäftigt, stößt irgendwann auf die sehr spezielle Fassadenverziertechnik, die Sgraffito genannt wird. Anders als bei auf den Putz gemalten Sprüchen und Weisheiten ist die Sgraffito-Technik weitaus aufwendiger. Dabei werden verschiedenfarbige Putzschichten auf die Wandfläche gebracht und anschließend durch Kratzen die darunter liegende Putzschicht bei mehrfarbigen Sgraffitos Putzschichten freigekratzt. Es ist eine alte Technik, die bereits in der Renaissance angewendet wurde und noch heute im Engadin weiterlebt.

00001Erna Romeril hat in „Engadiner Lebensweisheiten“ über 80 Inschriften an Engadiner Häusern fotografiert und aus dem dort verbreiteten Rätoromanischen und teilweise in Latein Geschriebenem ins Deutsche, Italienische und Englische übersetzt. Sie beschreibt darin zunächst die Technik der „Kratztechnik“. Es sind alte und neue Inschriften, die sie in diesem Buch zeigt. Heute haben sie an neuerbauten Häusern wohl nur noch einem dekorativen Zweck, „früher waren sie häufig Ausdruck tiefen Glaubens des Hauserbauers und Wunschäußerungen für ein glückliches und gesundes Leben und fruchbare Ernten. Aber auch menschliche Schwächen werden angedeutet, der Hang zur Gier und Macht und die Angst vor der eigenen Sterblichkeit.

Der BAIER BPB Verlag hat mir erlaubt, einen kleinen Eindruck von verschiedenartigen  Sgraffitos zu zeigen, die in diesem Buch zu finden sind, wobei zu beachten ist, dass der o.g. Verlag das Copyright an diesen Aufnahmen hat.

Die Inschriften sind dabei kurz und knapp, können aber auch länger sein oder sehr kunstvoll, zum Beispiel in der Form eines magischen Quadrats, dargestellt sein.

Hier zunächst eine weithin bekannte Lebensweisheit:

Die Kritik ist einfach, das Tun schwierig

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Die Kritik ist einfach, das Tun schwierig

Auch die Erkenntnis auf dem nächsten Sgraffito trifft heute genau so zu wie vor 500 Jahren, es wurde im Jahre 2001 in eine Hauswand in Celerina gekratzt:

Leute mit kurzer Sicht und großem Maul wissen immer, wie alles richtig gemacht werden sollte

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Leute mit kurzer Sicht und großem Maul wissen immer, wie alles richtig gemacht werden sollte

Dass Gutes und Böses oder Schlechtes aus einer Quelle kommen können, ist in dieser Lebensweisheit enthalten:

Das Gute wie das Schlechte werden oft auf dem gleichen Herd in der gleichen Suppe gekocht

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Das Gute wie das Schlechte werden oft auf dem gleichen Herd in der gleichen Suppe gekocht

Wie erwähnt gibt es viele Inschriften mit religiösem Bezug. Sünde und Vergebung ist das Thema der Inschrift:

Mensch, du bist nicht verlassen. Je größer deine Sünde, desto größer die Vergebung, wenn du zu Gott zurückkehrst und bei ihm bleiben willst

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Mensch, du bist nicht verlassen. Je größer deine Sünde, desto größer die Vergebung, wenn du zu Gott zurückkehrst und bei ihm bleiben willst

Das letzte Sgraffito ist ein ganz besonderes. Es zeigt ein magisches Quadrat.

„Dieses magische Quadrat ist uralt und wurde schon in altrömischen Zeiten von Christen als Geheimzeichen ihres in diesen Zeiten nicht tolerierten Glaubens verwendet. Man kann das Quadrat von links nach rechts, von unten nach oben, von rechts nach links und von unten nach oben lesen.“

Der Inhalt des Quadrats lautet übersetzt:

Der Säher Arepo hält die Schöpfung in Bewegung

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sator arepo tenet opera rotas

Sgraffito-Inschriften sind faszinierend, die Technik ebenso.

Erna Romeril hat mit ihren Entdeckungen Technik und Inschriften auf lesens- und sehenswerte Weise dokumentiert.

Ich danke dem BAIER BPB Verlag für die Erlaubnis, Material aus diesem Buch entnehmen zu dürfen. Zitate aus dem Buch sind kursiv geschrieben.

Zudem danke ich meinem Wanderfreund Uwe B., dass er mich auf dieses Werk aufmerksam gemacht und mir das Buch aus seiner Bibliothek ausgeliehen hat.

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Nördlich von…..

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Auch in bekannten Ecken gibt es Neues zu entdecken

Naja, so richtig Neues gab es nicht auf der dreistündigen kleinen Wanderung von der Haustür aus, aber einige Frühlingsboten und Fernblicke auf den Donnersberg im Nordpfälzer Bergland, immerhin 686,5 Meter über NHN (Normalhöhennull (NHN) ist in Deutschland die aktuelle Bezeichnung der Bezugsfläche für das Nullniveau bei Angabe von Höhen über dem Meeresspiegel. Das Normalhöhennull wurde als Nachfolger des Normalnull (NN) eingeführt, dessen Höhenangaben das Schwerefeld der Erde nicht berücksichtigten. Quelle: Wikipedia) sowie den Melibokus im Odenwald mit 517,4 m ü.NHN.

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Buschwindröschen

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Scharbockskraut

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Gänseblümchen

Der Blick in die Ferne:

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Blick in die Pfalz zum Donnersberg, etwa 60 Kilometer entfernt

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Höchster Punkt: Melibokus in etwa 40 Kilometern Entfernung

Näher dran war Igstadt mit dem Wasserturm, Wolken und das Wiesbadener Kreuz (A3/A66):

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Igstadt mit Wasserturm

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Wolken

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Dazu noch Kurioses

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und Bienen, die sich auf ihre Arbeit vorbereiteten:

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Die ersten Bienenvölker waren bereits auf die Streuobstwiese gesetzt. Von Obstblüte allerdings noch keine Anzeichen.

Und wer es genau wissen will, wo das war:Screenshot_2018-04-03-18-00-12

 

 

 

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Im Trockenen an einem Regentag: Im Kellerlabyrinth unter Oppenheim

Scan0005Es ist abenteuerlich, in den verschlungenen Gängen und Kellern unterhalb der Stadt Oppenheim, herumzugehen. In mehreren Ebenen liegen die Keller unter den Häusern, Straßen und Plätzen der Stadt. Sie wurden mit einfachen Werkzeugen – Pickel, Spaten und Schaufel – in den Löss gegraben. Vermutlich Scan0006-001ab dem 14. Jahrhundert – manche Leute meinen seit Oppenheim 1008 das Marktrecht erhalten hatte – wurde gebuddelt, damit die Händler, die Oppenheim per Schiff auf dem Rhein oder auf dem Rheinhandelsweg von Straßburg nach Frankfurt und Köln und umgekehrt passierten, ihre Waren drei Tage stapeln und zum Verkauf anbieten konnten. Dazu waren sie verpflichtet. Oppenheim war zu der Zeit von einer riesigen Stadtmauer umgeben, der Platz in der Stadt war zu klein, außerhalb der Mauern war die Präsentation der Waren zu gefährlich, folglich ging man in den Untergrund.

Zudem dienten die Keller auch als Schutz bei Belagerungen und während solcher Zeiten befanden sich bis zu 20 Brauereien in ihnen, um aus möglicherweise schlechtem Brunnenwasser etwas Trinkbares herzustellen.

Insgesamt soll die Anlage 40 Kilometer Keller und Gänge umfassen, die nach dem 2. Weltkrieg zugemüllt wurden und ab Mitte der 90er Jahre des letzen Jahrhunderts in einem kleinen Bereich wieder entmüllt und gesichert wurden. So sind heute im Kellerlabyrinth I 500 Meter zugänglich und zu besichtigen, im Kellerlabyrinth II sind es 200 Meter. Auch dieser Teil ist zu besichtigen.

Beim Gang durch die Labyrinthe werden Schutzhelme getragen, denn zuweilen sind die Gänge nicht sehr hoch und man stößt schon das eine oder andere Mal mit dem Kopf an die Decke. Einige steinige Hindernisse haben auch bezeichnende Namen wie „Scheitelzieher“ und „Schädelspalter“.

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Modell mit dem Werkzeug zum Abbau des Löss

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Einer der größten Keller

Seit 2007 sind diese Teile der Anlage zugänglich. Zu buchen sind die interessanten Spaziergänge unter Tage im Tourismusbüro der Stadt vor Ort , per Mail oder telefonisch.

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Stich der Stadt Oppenheim von Matthäus Merian dem Älteren aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts

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