SCHELLEN-URSLI – Ein Engadiner Bilderbuch, erzählt von Selina Chönz mit Bildern von Alois Carigiet

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Es scheint ein vollkommenes Idyll zu sein: Das Engadin mit seinen gepflegten Bauten und Anwesen, eingefügt in eine pittoreske Landschaft. Mit alten Bräuchen wie dem Fest der romanischen Kinder, die den Winter ausschellen.

Doch für die Familie von Ursli, dem „Bergbub“, und die Familie ist das Leben nicht so einfach. In dem alten Haus am Rande des Dorfes strickt, spinnt und webt die Mutter die Kleidung für den Sohn.

„Der Vater nagelt Urslis Schuhe und schafft für ihn fast ohne Ruhe.“

„Der Ursli hilft dem Vater recht und dient ihm wie ein kleiner Knecht.“

Aus diesen Zeilen ist zu lesen, dass das Leben in dem Dorf nicht einfach ist, aber Ursli und dessen Eltern scheinen zufrieden zu sein.

Traurig wird Ursli jedoch, als der Umzug für das Ausschellen vorbereitet wird. Er ist der Kleinste und soll mit der kleinsten Schelle beim Umzug der Letzte sein. Von den anderen, denen mit den größeren Schellen, wird er gehänselt, Tränen fließen bei unserem „Bergbub“. Denn zu den Letzten zu gehören, bedeutet nicht nur kleine Kälberschelle zu haben, sondern auch leer auszugehen, wenn der Schar von den Dorfbewohnern für das Ausschellen des Winters mit Nüssen, Schnitz und Kuchenbrocken gedankt wird.

„Mit Kälberschellen, hintendrein, gehen sie mit leeren Taschen heim.“

Doch noch rechtzeitig bevor das Ausschellen beginnt, hat Ursli eine Idee. In einem nächtlichen Abenteuer sucht er einen Ausweg, begibt sich in große Gefahr und bereitet seinen Eltern große Sorgen.

Und dann, am nächsten Tag: „Nun ist der Glockenumzug da, und wer geht vorne dran? Hurra!“

Und so ist die Welt im Engadin wieder in Ordnung, für Ursli und seine Eltern – ein vollkommen scheinendes Idyll.

Die Verse dieser Geschichte wurden von der Engadiner Dichterin Selina Chönz liebevoll geschmiedet. Der Maler Alois Carigiet illustrierte den Text so, dass ein lesens- und sehenswertes Büchlein daraus entstanden ist – „frei von oberflächlicher Süssigkeit und altkluger Moral“ (im Geleitwort von Jon Pult geschrieben).

— O —

Erschienen im Orell Füssli Verlag AG, 2013 in der 13. Auflage, inzwischen sind weitere Auflagen erschienen

Uorsin“ war die Originalversion des Schellen-Ursli und wurde 1945 auf Oberengadiner Romanisch veröffentlicht.“ (Wikipedia „Selina Chönz“)

Mehr zu Alois Carigiet: hier

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WANDLUNGSKÜNSTLER – die geheime Erfolgsgeschichte der INSEKTEN

Beim ersten Blättern in diesem Buch faszinieren die großformatigen Makroaufnahmen der Insekten und Porträtaufnahmen diverser Arten – von der Larve bis zu den adulten Schmetterlingen, Käfern, Libellen, Hautflüglern, Fliegen und Mücken.

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Brilliante Fotografien sind Nicole Ottawa und Oliver Meckes gelungen und zeigen die Insekten so, wie wir sie größtenteils noch nicht gesehen haben. So sieht der Kopf der Larve des Pelzkäfers beinahe aus wie der Kopf eines zotteligen Bisons, andere Larve wirken wie Außerirdische.

Ebenso interessant wie die bildlichen Darstellungen sind die Texte von Veronika Straaß und Claus-Peter Lieckfeld. Darin wird die Evolution dieser Klasse der Gliederfüßler, die  Anatomie der Insekten und ihre Metamorphose verständlich und ausführlich beschrieben. Die einzelnen Arten, die in Fotografien vorgestellt werden, sind in unterschiedlicher Weise beschrieben. Zum Beispiel wird die Geschichte des Seidenspinner erzählt, aber auch über die Lebensweise des Hauhechel-Bläulings berichtet. Ob Alpenbock, Harlekin-Marienkäfer oder Köcherfliege und die Gelbfiebermücke – hier ist die große Bandbreite der Klasse der Insekten zu erkennen.

Es ist ein Buch, dessen Fotos man immer wieder gern ansieht und die Texte aufsaugt, wie die Schmetterlinge den Nektar aus den Blüten.

— O —

Erschienen 2018 im Dölling und Galitz Verlag, Format: 31×23 cm, Softcover

 

 

 

Lebensweisheiten und fromme Sprüche in den Putz gekratzt: SGRAFFITOS

Wer sich mit Inschriften auf Hauswänden beschäftigt, stößt irgendwann auf die sehr spezielle Fassadenverziertechnik, die Sgraffito genannt wird. Anders als bei auf den Putz gemalten Sprüchen und Weisheiten ist die Sgraffito-Technik weitaus aufwendiger. Dabei werden verschiedenfarbige Putzschichten auf die Wandfläche gebracht und anschließend durch Kratzen die darunter liegende Putzschicht bei mehrfarbigen Sgraffitos Putzschichten freigekratzt. Es ist eine alte Technik, die bereits in der Renaissance angewendet wurde und noch heute im Engadin weiterlebt.

00001Erna Romeril hat in „Engadiner Lebensweisheiten“ über 80 Inschriften an Engadiner Häusern fotografiert und aus dem dort verbreiteten Rätoromanischen und teilweise in Latein Geschriebenem ins Deutsche, Italienische und Englische übersetzt. Sie beschreibt darin zunächst die Technik der „Kratztechnik“. Es sind alte und neue Inschriften, die sie in diesem Buch zeigt. Heute haben sie an neuerbauten Häusern wohl nur noch einem dekorativen Zweck, „früher waren sie häufig Ausdruck tiefen Glaubens des Hauserbauers und Wunschäußerungen für ein glückliches und gesundes Leben und fruchbare Ernten. Aber auch menschliche Schwächen werden angedeutet, der Hang zur Gier und Macht und die Angst vor der eigenen Sterblichkeit.

Der BAIER BPB Verlag hat mir erlaubt, einen kleinen Eindruck von verschiedenartigen  Sgraffitos zu zeigen, die in diesem Buch zu finden sind, wobei zu beachten ist, dass der o.g. Verlag das Copyright an diesen Aufnahmen hat.

Die Inschriften sind dabei kurz und knapp, können aber auch länger sein oder sehr kunstvoll, zum Beispiel in der Form eines magischen Quadrats, dargestellt sein.

Hier zunächst eine weithin bekannte Lebensweisheit:

Die Kritik ist einfach, das Tun schwierig

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Die Kritik ist einfach, das Tun schwierig

Auch die Erkenntnis auf dem nächsten Sgraffito trifft heute genau so zu wie vor 500 Jahren, es wurde im Jahre 2001 in eine Hauswand in Celerina gekratzt:

Leute mit kurzer Sicht und großem Maul wissen immer, wie alles richtig gemacht werden sollte

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Leute mit kurzer Sicht und großem Maul wissen immer, wie alles richtig gemacht werden sollte

Dass Gutes und Böses oder Schlechtes aus einer Quelle kommen können, ist in dieser Lebensweisheit enthalten:

Das Gute wie das Schlechte werden oft auf dem gleichen Herd in der gleichen Suppe gekocht

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Das Gute wie das Schlechte werden oft auf dem gleichen Herd in der gleichen Suppe gekocht

Wie erwähnt gibt es viele Inschriften mit religiösem Bezug. Sünde und Vergebung ist das Thema der Inschrift:

Mensch, du bist nicht verlassen. Je größer deine Sünde, desto größer die Vergebung, wenn du zu Gott zurückkehrst und bei ihm bleiben willst

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Mensch, du bist nicht verlassen. Je größer deine Sünde, desto größer die Vergebung, wenn du zu Gott zurückkehrst und bei ihm bleiben willst

Das letzte Sgraffito ist ein ganz besonderes. Es zeigt ein magisches Quadrat.

„Dieses magische Quadrat ist uralt und wurde schon in altrömischen Zeiten von Christen als Geheimzeichen ihres in diesen Zeiten nicht tolerierten Glaubens verwendet. Man kann das Quadrat von links nach rechts, von unten nach oben, von rechts nach links und von unten nach oben lesen.“

Der Inhalt des Quadrats lautet übersetzt:

Der Säher Arepo hält die Schöpfung in Bewegung

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sator arepo tenet opera rotas

Sgraffito-Inschriften sind faszinierend, die Technik ebenso.

Erna Romeril hat mit ihren Entdeckungen Technik und Inschriften auf lesens- und sehenswerte Weise dokumentiert.

Ich danke dem BAIER BPB Verlag für die Erlaubnis, Material aus diesem Buch entnehmen zu dürfen. Zitate aus dem Buch sind kursiv geschrieben.

Zudem danke ich meinem Wanderfreund Uwe B., dass er mich auf dieses Werk aufmerksam gemacht und mir das Buch aus seiner Bibliothek ausgeliehen hat.

Benjamin Schulz: Gesägt, getan – Eine Anleitung zum Heimwerkerglück

P1030613Dies ist – wie der Untertitel andeutet – ein Erfahrungsbericht über Erfolgserlebnisse und Missgeschicke beim Heimwerken. Es ist eine Auswahl der Themen, über die Benjamin Schulz auf Spiegel-Online geschrieben hat, keine Anleitung zu DIY-Arbeiten in Haus und Garten.

Es enthält die wesentlichen Essenzen, die im Laufe eines Heimwerker-Lebens erkenntlich werden:

Gutes Werkzeug und richtige Materialauswahl ist notwendig – Unterstützung oder Rat von Fachleuten erweist sich häufig als nützlich – kein Heimwerker kann „alles“ perfekt.

Benjamin Schulz hat es mit großem Ehrgeiz gepackt, Schwalbenschwanzverbindungen stabil und haltbar zu erstellen, das Anbringen eines Duschvorhangs ist ihm missraten, mit dem „Verschlimmbessern“ hätte ich mich nicht zufrieden gegeben.

So schwadroniert Schulz von der Be- und Verarbeitung von Holz über Sanitär- und Fliesenarbeiten, Heimwerken an Stromleitungen, Gartenarbeiten und einige andere Standards wie Malerarbeiten bis hin zu Tipps zur Anschaffung von Werkzeugen und Verwendung von Materialien. Die dazu gezeigten Fotos sind überwiegend von mäßiger Qualität und zum Schluss sind noch Binsenweisheiten zu lesen, dass Quittungen von den Einkäufen im Baumarkt aufgehoben werden sollten, zudem typisiert Schulz auf mehreren Seiten das unterschiedliche Verhalten der Heimwerker im Baumarkt.

Für manche Heimwerker mag es ein amüsante Anleitung zu ihrem Glück sein, für mich ist es eine überflüssige Sammlung persönlicher Erfahrungen, gemischt mit ein bisschen Allerweltswissen.

— O —

Benjamin Schulz: GESÄGT, GETAN, Ullstein Taschenbuch (2018)

Robert Hofrichter: Im Bann des Ozeans

P1030610Vielfältig wie das Leben in den Ozeanen, so ist der Inhalt dieses Buches. Einiges, was in den Ozeanen an Lebewesen schwimmt und kreucht, gibt uns noch immer Rätsel auf. Viele Arten in diesen riesigen Wassermassen sind noch gar nicht entdeckt. Robert Hofrichter ist von den Ozeanen und deren Innenleben in Bann gezogen worden und er erzählt davon höchst eindrucksvolle Geschichten, stellt Forschungsergebnisse vor.

Es sind zu einem großen Teil Fakten, die uns unvorstellbar erscheinen: Die Artenvielfalt einerseits, aber auch die Schwierigkeiten, die viele Arten haben, in den Weiten der Ozeane einen Partner zur Reproduktion zu finden, sowie die Arten der Reproduktion an sich. Männliche Spezies können sich dabei in weibliche verwandeln – und umgekehrt – oder zum Zwitter werden. Penisse lösen sich vom Männchen, erreichen das Weibchen, um dort die Eier zu befruchten. Oder die Männchen leben im Weibchen, um direkt vor Ort ihre Aufgabe bei der Fortpflanzung wahrzunehmen. Leser erfahren, dass Männchen und Weibchen unterschiedlich sein können – von Größe und Gestalt – Weibchen 40.000mal größer als ihr Geschlechtspartner. Auch von den „geilen“ Delfinen wird berichtet, die selbst weibliche Taucherinnen angehen.

Aber diese „Sexualkunde“ ist nur ein kleiner Teil des Buchinhalts, wenn auch ein faszinierender. Ebenso interessant ist aber auch die Giftigkeit einiger Meeresbewohner, die Art der Gifte und die Wirkung.

Teilweise Bekanntes lesen wir über die Aale und deren Wanderung zum Laichen ins Sargassomeer. Allerdings werden deren navigatorischen Leistungen noch übertroffen von den Meeresschildkröten, die über 2000 Kilometer zurücklegen und auf Ascension zur Eiablage an den Strand zurückkommen, an dem sie geboren wurden.

In einem Buch, das das Leben in den Ozeanen beschreibt, darf natürlich nicht ein Abschnitt über die Korallenriffe und die Gefahr für sie durch die Klimaerwärmung fehlen, inklusive des synchronisierten Ablaichens der Korallen.

Robert Hofrichter gibt einen Überblick über das Leben in den verschiedenen Meerestiefen und schreibt, dass es wegen der immensen Drücke wesentlich schwieriger ist, bis in 11.000 Metern auf den Grund des Ozeans zu gelangen – das haben erst drei Menschen geschafft – als auf den Mond – dort hielt sich schon ein Dutzend Astronauten auf.

Neben diesen naturwissenschaftlichen Inhalten, werden aber auch die „Meeresungeheuer“ erwähnt und die „Forschung“ der Kryptozoologen.

Doch nicht nur über das Leben im Wasser, sondern auch über die Ozeane an sich mit der Wasserzirkulation horizontal wie vertikal, den Monsterwellen und vielen anderen Eigenheiten wie die Unebenheit der Erdoberfläche und auch der Ozeane und deren Folgen ist zu lesen. Die Entstehung der Erde, die der Lebewesen, die Tektonik unseres Planeten und dessen Geodynamik, das alles und noch viel mehr erzählt der Autor in sehr ansprechender Form in diesem Buch. Zudem sind auf 16 Hochglanzseiten über dreißig Fotos zu finden, die schillernde und wundersame Lebewesen aus den Tiefen der Ozeane zeigt.

Ein umfassendes Kompendium über alles, was die Ozeane und deren Faszination darstellen und beinhalten.

Ich war beim Lesen „im Bann des Ozeans“.

— O —

Robert Hofrichter: Im Bann des Ozeans, Gütersloher Verlagshaus (2018),

ISBN 978-3-579-08678-1

 

 

Über Schmetterlinge und die Welt: Peter Henning – Mein Schmetterlingsjahr

IMG_7643Peter Henning erzählt von seinen Erlebnissen mit Schmetterlingen, Reisen zu den Orten in Europa, an denen er sie beobachtete, mit ihnen spielte und kommunizierte. Der Leser lernt die unterschiedlichen Eigenschaften und das verschiedenartige Verhalten der Falter kennen, ohne mit wissenschaftlichen Ausführungen malträtiert zu werden. Auch von Mythen, die die Schmetterlinge umgeben, berichtet Peter Henning und schwadroniert dabei von den am Tag der Toten, dem Dia de Muertos, zu Hundertausenden aus dem Norden in die Sierra Nevada einfallenden Monarchfaltern, die die heimkehrenden Seelen der Verstorbenen in sich tragen, bis hin zum Schmetterling als Vanitassymbol.

Kenntnisreich berichtet der Autor von den verschiedenen Flugverhalten, den Wanderungen einiger Arten, ihrer Entwicklung vom Ei bis zum schillernden Schmetterling und vieles mehr. Die Art, wie das alles berichtet wird, ist mehr ein Erlebnisbericht als ein Sachbuchtext. Dabei erfährt man auch Nebensächlichkeiten wie Art und Farbe des Autos mit dem der junge Henning einst mit seiner Großmutter zu seiner ersten – wie er es bezeichnet – Falterexpedition aufgebrochen ist. Überflüssiges, aber amüsant erzählt.

Aufgelockert wird der Text durch zahlreiche schwarz-weiß Abbbildungen der beschriebenen Arten. Ich hätte mir einige Farbabbildungen gewünscht, aber die Lepidoptera-Kenner unter den Lesern werden sich die abgebildeten Spezies ohne Schwierigkeiten in Farbe vorstellen können, andere werden ihr „Welcher Schmetterling ist das?“ befragen.

IMG_7644Insgesamt ist „Mein Schmetterlingsjahr“ eine kurzweilige, informative Lektüre. Der Hardcovereinband ist mit Leinen bezogen, drinnen befindet sich ein Lesebändchen und die Vorsatzpapiere zeigen vorn eine Europakarte mit den Reisezielen von Peter Henning und am Ende des Buches das Flugbild eines Schmetterlings. Ein Buch, das optisch und inhaltlich gefällt.

 

Peter Henning: Mein Schmetterlingsjahr, Theiss Verlag (2018)

Christian Kayser: Burg Hohenzollern – Ein Jahrtausend Baugeschichte

IMG_7481Über die Jahrhunderte haben Burganlagen  ihr Aussehen und ihre Bedeutung geändert. Sie wurden gebaut, erobert und oftmals zerstört, niedergebrannt, wieder aufgebaut nach den Bedürfnisse jener Zeit und immer wieder erweitert. Viele verfielen zu Ruinen, andere wurden nochmals in neuer Gestalt errichtet – und inzwischen bröckelt es wieder im Mauerwerk.

Das ist in wenigen Worten auch die rund tausendjährige Geschichte der Burg Hohenzollern, heute ein weit sichtbares Baudenkmal auf der Schwäbischen Alb und die „Krone aller Burgen“ in Schwaben. Die Burg war nicht nur Sitz deutschen Hochadels, sondern das Werk berühmter Baumeister, vieler Ingenieure, Konstrukteure und unzähliger Handwerker.

Christian Kayser hat diese Geschichte anhand von Archivmaterial und der Unterstützung vieler Helfer in diesem umfangreichen Buch dargelegt. Es ist erstaunlich, was der Autor alles erfahren hat und wie er die zahlreichen Phasen mit verständlichem Text und vielfältigem Bildmaterial beschreibt.

Alte Federzeichnungen, Holzschnitte, Abbildungen rekonstruierter Modelle und alter Dokumente – z.B. Entwürfe – , Grundrisse und Schnitte durch die Gebäude, sowie Fotos aus der Vergangenheit und des heutigen Bestandes zeigen, wie sich die Anlage im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. Kayser beschreibt die Schwierigkeiten und Herausforderungen, die in den verschiedenen Bauabschnitten gemeistert werden mussten, sei es die Wasserversorgung oder die Statik besonderer Dachkonstruktionen. Auch der heutigen Auffahrt weist eine Komplexität auf, die sich einem Besucher der Burg nicht erschließen kann. Zudem erfährt der Leser, dass auch die geologischen Gegebenheit an einigen Stellen besondere Maßnahmen erforderten.

So ist dieses Buch zugleich ein Dokument der Baugeschichte der Burg Hohenzollern aber auch ein Werk, das die Architektur, den Wandel, die Ingenieurs- und Handwerkskunst an einer solchen Anlage über die Jahrhunderte beschreibt.

Ein faszinierendes Werk.

— O —

Erschienen 2017 im Südverlag