Verkochte Bücher

Vor einigen Jahren habe ich über das Restaurieren alter Kochbücher geschrieben. Hier noch einmal der Post „Verkochte Bücher“.

Philipp Elph

Über das Restaurieren alter Kochbücher

Es gibt sie noch in großer Zahl: über einhundert Jahre alte Kochbücher, benutzt von 4 oder 5 Generationen. Die Einbände sind häufig mit Fett, Mehl und Zucker imprägniert, zuweilen fehlt der Buchrücken, die Gelenke sind teilweise eingerissen und Seiten haben sich gelöst. Glücklicherweise haben die Buchblöcke den Gebrauch in der Nähe des Dunstes von Kochen, Backen und Braten meist ohne größere Blessuren überstanden, so dass wenig mehr als die Reparatur des Einbandes oder die Herstellung eines neuen Einbandes unter Verwendung der noch verwertbaren Teile des alten notwendig ist, um den Ratgeber von Urgroßmutter, Großmutter und Mutter in einer weiteren Generation wieder als voll funkionsfähiges und ansehnliches Buch nutzen zu können.

Wirft man einen Blick in das Buch, so erkennt man, dass es zumeist Rezepte enthält für die „besseren Kreise“ von damals. Der gehobene Mittelstand und höhere Schichten waren wohl die Käufer solcher Bücher, aber auch…

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Das alte Fotoalbum – Protokoll einer Reparatur

Das Objekt: Ein Fotoalbum mit Ledereinband, unterschiedliche Prägung auf Vorderdeckel (Blume) und Hinterdeckel (Mosaik), erste Fotos von 1903, Alter des Albums: etwa 100 Jahre.

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Status:  Lederrücken defekt, vorderer und hinterer Deckel – bestehend aus leichten Holzplatten mit Leder überzogen – beschädigt. Leder teilweise abgestoßen. Buchblock aus Kassetten mit Leinen verbunden, locker aber weitgehend unversehrt. Vergoldete Schnitte oxidiert. Schließe abgerissen. Maße Buchblock: 305 x 170 x 45 mm, Maße Einband: 320 x 190 x 60 mm

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Lederreste vom Rücken

Aufgabe:  Rücken ersetzen

Vorbereitung: Abtrennen des Rückens, abgetrennte Lederstücke für Wiederverwendung auf gleiche Breite schneiden, Ober- und Unterkante gerade schneiden. Leder an den Deckeln an der Falzseite von der Holzplatte auf ca. 20 mm trennen.

Rücken vorbereiten: Pappstreifen (Stärke 0,5 mm, breit wie Buchrücken, 315 mm hoch) auf Leder (325 mm x 95 mm) kleben. Die Kanten des Leders wurden zuvor geschärft. Leder auf Höhe des Buchrückens minus 3 mm umlegen. Umgelegtes Leder ankleben.

Einfügen des Rückens: Zuerst auf der einen Seite anleimen und zwischen Holzplatte und Originalleder einsetzten, nach dem Trocknen auf gleiche Weise die andere Seite in den zweitenD eckel einsetzen. Nach dem Trocknen Lederreste des alten Rückens auf den neuen Rücken aufleimen.

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Lederpflege: Bienenwachs-haltiges Mittel auftragen wie es für die Pflege von Ledermöbel empfohlen wird und nach dem Trocknen mit einem weichen Lappen leicht drüber reiben.

Bemerkung zur Pflege: Ledereinbände altern. Das Leder trocknet aus, wird spröde und bricht häufig an den Scharnieren. Danach sieht der Rücken eines Einbands so oder so ähnlich aus wie es auf dem ersten Bild zu sehen ist. Deshalb sollten Ledereinbände gepflegt werden, indem sie alle paar Jahre mit einem Lederpflegemittel – wie es für Möbelleder angeboten wird – behandelt werden. So wird das Leder wieder geschmeidiger und widerstandsfähiger.

 

 

 

Magnus Myst: Das kleine Böse Buch

Scan2Hey, du!“, sagte die neunjährige Hanni zu mir und zeigte das Buch, „Kannst du mal lesen. Ist toll!“

Wenn ich derartige Empfehlungen von meiner Enkelin bekomme, muss ich das Buch unbedingt lesen. „Ein interaktiver Gruselspaß für mutige Kinder“ ist auf dem Klappentext zu lesen. Naja, Kind bin ich nicht mehr, gruseln mag ich mich gern.

Es ist ein Buch, das mit dem Leser spricht, fiese Geschichten erzählt und kleine Rätsel aufgibt, die zu einem nächsten Kontakt führen – aber nicht in der Reihenfolge der Seiten. Das Buch lernt mich dabei auch kennen. Erfährt durch meine Reaktionen, ob ich ein Angsthase oder mutig bin. Kann mich zum Lügen verführen und erkennt eine Schwindelei. Wie es das macht? Geschickt!

Scan4OK, ein wirklich böses Buch ist es nicht, ich nenne es frech, gruselig ist es aber auf jeden Fall. Eltern oder Großeltern brauchen keine Angst zu haben, dass ihre Kleinen – idealerweise im fortgeschrittenen Grundschulalter – durch dieses Buch verdorben werden. Aber das kleine Böse Buch erfüllt seinen Wunsch, jedenfalls bei Hanni. Die ist begeistert, liest sich mutig durch die Geschichten und Rätsel, und das kleine wird damit ein richtig Böses Buch.

Das war ein Riesenspaß für Hanni und auch für mich, ihren Großvater. Hanni ist mir nun schon wieder einen Schritt, ein Buch voraus. Und liest Das verboten gute Buch, ebenfalls von Magnus Myst. Mal sehen, ob sie es mir auch empfiehlt. 

— O —

Das Buch ist im Ueberreuter Verlag mit Illustrationen von Thomas Hussung erschienen.

It’s a long way………

Mehr als 16 Kilometer bis zum Glühweinstand auf dem Sternschnuppenmarkt. 4 1/2 Stunden inklusive Pause bis zum ersten alkoholhaltigen Heißgetränk. Das war eine echte Herausforderung!

It’s a long way to Glühweinstand“ habe ich so leise beim Wandern gepfiffen, nach der Melodie von – ihr ahnt es schon – :

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Der Schnee vom Vortag war noch nicht ganz weggetaut, stellenweise war es matschig, aber das konnte die gute Laune nicht vertreiben. Ab und zu schien es so, als würde der Himmel aufreißen und die Sonne durchkommen.

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Meistens blieb es jedoch grau, nur einmal tauchte ein rötlicher Streifen im Westen auf. Normalerweise ein Zeichen, dass die Sonne untergeht, nur dass diese Erscheinung pünktlich um 12 Uhr zu sehen war:

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Die Bänke am Wegsrand waren noch mit Schnee bedeckt…….

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……………und so wurde dann im Stehen eine kleine Stärkung aus den Rucksäcken geholt.

Später am Ziel, sprich Glühweinstand, spaltete sich die Gruppe in zwei Fraktionen, die der roten und die der weißen Glühweintrinker.

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Ohne ein Sondierungsgespräch wurde spontan eine GroKo gebildet, die einstimmig beschloss, auf Empfehlung unseres Vorwanderers den Andechser im Ratskeller anzusteuern. Nach einem ausgiebigen Mahl ging es wieder zurück an den Glühweinstand, wo sich mit Hilfe einiger Heißgetränke auf die Heimfahrt per ÖPNV vorbereitet wurde.

Fazit: 16 Kilometer, die sich gelohnt haben.

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Christian Kayser: Burg Hohenzollern – Ein Jahrtausend Baugeschichte

IMG_7481Über die Jahrhunderte haben Burganlagen  ihr Aussehen und ihre Bedeutung geändert. Sie wurden gebaut, erobert und oftmals zerstört, niedergebrannt, wieder aufgebaut nach den Bedürfnisse jener Zeit und immer wieder erweitert. Viele verfielen zu Ruinen, andere wurden nochmals in neuer Gestalt errichtet – und inzwischen bröckelt es wieder im Mauerwerk.

Das ist in wenigen Worten auch die rund tausendjährige Geschichte der Burg Hohenzollern, heute ein weit sichtbares Baudenkmal auf der Schwäbischen Alb und die „Krone aller Burgen“ in Schwaben. Die Burg war nicht nur Sitz deutschen Hochadels, sondern das Werk berühmter Baumeister, vieler Ingenieure, Konstrukteure und unzähliger Handwerker.

Christian Kayser hat diese Geschichte anhand von Archivmaterial und der Unterstützung vieler Helfer in diesem umfangreichen Buch dargelegt. Es ist erstaunlich, was der Autor alles erfahren hat und wie er die zahlreichen Phasen mit verständlichem Text und vielfältigem Bildmaterial beschreibt.

Alte Federzeichnungen, Holzschnitte, Abbildungen rekonstruierter Modelle und alter Dokumente – z.B. Entwürfe – , Grundrisse und Schnitte durch die Gebäude, sowie Fotos aus der Vergangenheit und des heutigen Bestandes zeigen, wie sich die Anlage im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. Kayser beschreibt die Schwierigkeiten und Herausforderungen, die in den verschiedenen Bauabschnitten gemeistert werden mussten, sei es die Wasserversorgung oder die Statik besonderer Dachkonstruktionen. Auch der heutigen Auffahrt weist eine Komplexität auf, die sich einem Besucher der Burg nicht erschließen kann. Zudem erfährt der Leser, dass auch die geologischen Gegebenheit an einigen Stellen besondere Maßnahmen erforderten.

So ist dieses Buch zugleich ein Dokument der Baugeschichte der Burg Hohenzollern aber auch ein Werk, das die Architektur, den Wandel, die Ingenieurs- und Handwerkskunst an einer solchen Anlage über die Jahrhunderte beschreibt.

Ein faszinierendes Werk.

— O —

Erschienen 2017 im Südverlag

Geschnatter

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Sie haben mächtig Rabatz gemacht, die graubraunen Afrikanischen Höckergänse am Wickerbach. Bellende Hunde hätten nicht eindringlicher und ausgiebiger Laut geben können.

Die Drohgebärden waren imposant. Letztlich blieben sie aber auf Distanz.

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Lt. Wikipedia gehört die Höckergans zu den Gänserassen, die auf die Domestizierung der Schwanengans (Anser cygnoides) in Nordostasien zurückgeht. Im 19. Jahrhundert wurde sie aus China oder Japan nach Europa eingeführt (sh. LINK)

Der „SV Deutscher Gänsezüchter von 1907“ beschreibt diese Species und erklärt den Namen „Afrikanische Höckergans“ damit, dass diese Vögel im 18. Jahrhundert aus Asien über Afrika (Madagaskar) nach Europa gebracht wurden. (sh. LINK).