Tulpen-Hexagramme

Garten_2018_03_26

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Lebensweisheiten und fromme Sprüche in den Putz gekratzt: SGRAFFITOS

Wer sich mit Inschriften auf Hauswänden beschäftigt, stößt irgendwann auf die sehr spezielle Fassadenverziertechnik, die Sgraffito genannt wird. Anders als bei auf den Putz gemalten Sprüchen und Weisheiten ist die Sgraffito-Technik weitaus aufwendiger. Dabei werden verschiedenfarbige Putzschichten auf die Wandfläche gebracht und anschließend durch Kratzen die darunter liegende Putzschicht bei mehrfarbigen Sgraffitos Putzschichten freigekratzt. Es ist eine alte Technik, die bereits in der Renaissance angewendet wurde und noch heute im Engadin weiterlebt.

00001Erna Romeril hat in „Engadiner Lebensweisheiten“ über 80 Inschriften an Engadiner Häusern fotografiert und aus dem dort verbreiteten Rätoromanischen und teilweise in Latein Geschriebenem ins Deutsche, Italienische und Englische übersetzt. Sie beschreibt darin zunächst die Technik der „Kratztechnik“. Es sind alte und neue Inschriften, die sie in diesem Buch zeigt. Heute haben sie an neuerbauten Häusern wohl nur noch einem dekorativen Zweck, „früher waren sie häufig Ausdruck tiefen Glaubens des Hauserbauers und Wunschäußerungen für ein glückliches und gesundes Leben und fruchbare Ernten. Aber auch menschliche Schwächen werden angedeutet, der Hang zur Gier und Macht und die Angst vor der eigenen Sterblichkeit.

Der BAIER BPB Verlag hat mir erlaubt, einen kleinen Eindruck von verschiedenartigen  Sgraffitos zu zeigen, die in diesem Buch zu finden sind, wobei zu beachten ist, dass der o.g. Verlag das Copyright an diesen Aufnahmen hat.

Die Inschriften sind dabei kurz und knapp, können aber auch länger sein oder sehr kunstvoll, zum Beispiel in der Form eines magischen Quadrats, dargestellt sein.

Hier zunächst eine weithin bekannte Lebensweisheit:

Die Kritik ist einfach, das Tun schwierig

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Die Kritik ist einfach, das Tun schwierig

Auch die Erkenntnis auf dem nächsten Sgraffito trifft heute genau so zu wie vor 500 Jahren, es wurde im Jahre 2001 in eine Hauswand in Celerina gekratzt:

Leute mit kurzer Sicht und großem Maul wissen immer, wie alles richtig gemacht werden sollte

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Leute mit kurzer Sicht und großem Maul wissen immer, wie alles richtig gemacht werden sollte

Dass Gutes und Böses oder Schlechtes aus einer Quelle kommen können, ist in dieser Lebensweisheit enthalten:

Das Gute wie das Schlechte werden oft auf dem gleichen Herd in der gleichen Suppe gekocht

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Das Gute wie das Schlechte werden oft auf dem gleichen Herd in der gleichen Suppe gekocht

Wie erwähnt gibt es viele Inschriften mit religiösem Bezug. Sünde und Vergebung ist das Thema der Inschrift:

Mensch, du bist nicht verlassen. Je größer deine Sünde, desto größer die Vergebung, wenn du zu Gott zurückkehrst und bei ihm bleiben willst

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Mensch, du bist nicht verlassen. Je größer deine Sünde, desto größer die Vergebung, wenn du zu Gott zurückkehrst und bei ihm bleiben willst

Das letzte Sgraffito ist ein ganz besonderes. Es zeigt ein magisches Quadrat.

„Dieses magische Quadrat ist uralt und wurde schon in altrömischen Zeiten von Christen als Geheimzeichen ihres in diesen Zeiten nicht tolerierten Glaubens verwendet. Man kann das Quadrat von links nach rechts, von unten nach oben, von rechts nach links und von unten nach oben lesen.“

Der Inhalt des Quadrats lautet übersetzt:

Der Säher Arepo hält die Schöpfung in Bewegung

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sator arepo tenet opera rotas

Sgraffito-Inschriften sind faszinierend, die Technik ebenso.

Erna Romeril hat mit ihren Entdeckungen Technik und Inschriften auf lesens- und sehenswerte Weise dokumentiert.

Ich danke dem BAIER BPB Verlag für die Erlaubnis, Material aus diesem Buch entnehmen zu dürfen. Zitate aus dem Buch sind kursiv geschrieben.

Zudem danke ich meinem Wanderfreund Uwe B., dass er mich auf dieses Werk aufmerksam gemacht und mir das Buch aus seiner Bibliothek ausgeliehen hat.

Benjamin Schulz: Gesägt, getan – Eine Anleitung zum Heimwerkerglück

P1030613Dies ist – wie der Untertitel andeutet – ein Erfahrungsbericht über Erfolgserlebnisse und Missgeschicke beim Heimwerken. Es ist eine Auswahl der Themen, über die Benjamin Schulz auf Spiegel-Online geschrieben hat, keine Anleitung zu DIY-Arbeiten in Haus und Garten.

Es enthält die wesentlichen Essenzen, die im Laufe eines Heimwerker-Lebens erkenntlich werden:

Gutes Werkzeug und richtige Materialauswahl ist notwendig – Unterstützung oder Rat von Fachleuten erweist sich häufig als nützlich – kein Heimwerker kann „alles“ perfekt.

Benjamin Schulz hat es mit großem Ehrgeiz gepackt, Schwalbenschwanzverbindungen stabil und haltbar zu erstellen, das Anbringen eines Duschvorhangs ist ihm missraten, mit dem „Verschlimmbessern“ hätte ich mich nicht zufrieden gegeben.

So schwadroniert Schulz von der Be- und Verarbeitung von Holz über Sanitär- und Fliesenarbeiten, Heimwerken an Stromleitungen, Gartenarbeiten und einige andere Standards wie Malerarbeiten bis hin zu Tipps zur Anschaffung von Werkzeugen und Verwendung von Materialien. Die dazu gezeigten Fotos sind überwiegend von mäßiger Qualität und zum Schluss sind noch Binsenweisheiten zu lesen, dass Quittungen von den Einkäufen im Baumarkt aufgehoben werden sollten, zudem typisiert Schulz auf mehreren Seiten das unterschiedliche Verhalten der Heimwerker im Baumarkt.

Für manche Heimwerker mag es ein amüsante Anleitung zu ihrem Glück sein, für mich ist es eine überflüssige Sammlung persönlicher Erfahrungen, gemischt mit ein bisschen Allerweltswissen.

— O —

Benjamin Schulz: GESÄGT, GETAN, Ullstein Taschenbuch (2018)