Was Du heute kannst besorgen…….

Manchmal ist es gut, wieder an eine Redewendung erinnert zu werden. Und manchmal ist es sogar sinnvoll, sich danach zu richten. So sind bereits vor Monaten zwei Bücher bei mir eingetroffen, in denen Redensarten und -wendungen erklärt werden. Denn nicht jede dieser alten Weisheiten, Erkenntnisse oder Empfehlungen ist so nachvollziehbar wie die, die daran erinnert, „To do“- Angelegenheiten nicht „auf die lange Bank zu schieben“, sondern umgehend zu erledigen. Heute somit die Besprechung von zwei Büchern zu diesem Thema.

IMG_9868Damit sind wir mittendrin in den Redewendungen, die Katharina Mahrenholtz und Dwan Parisi in „Allerhöchste Eisenbahn“ auf ihren Ursprung und die Bedeutung zu erklären versuchen. Dabei ist die Suche nach dem Ursprung nicht immer einfach. War es im 5. Jahrhundert ein Mönch namens Arnobius, der den Begriff „auf die lange Bank schieben“ erfunden hat? Oder ist es ein Ausdruck aus dem Mittelalter, als die Akten in Truhen aufbewahrt wurden, die auch als Bänke dienten? Wenn die Truhen voll waren, wurden die Akten auf den Truhendeckel gelegt und neue Dokumente schoben die älteren nach hinten. Möglicherweise war mit der „langen Bank“ auch der Immerwährende Reichstag (1663-1806) gemeint, der als Ständevertretung in Regensburg stattfand und deren Mitglieder viele Stunden auf langen Bänken auf die Entscheidung der Richter warteten, die sich offenbar ewig berieten und gern Entscheidungen vertagten.

Es sind jedoch nicht nur die Erklärungen über die (mögliche) Herkunft einer Redewendung, denn nach dem Motto Andere Länder andere Sitten erfahren wir auch, welche ähnlichen Phrasen in anderen Ländern einer deutschsprachigen nahe kommen. „Aller guten Dinge sind drei“, ein Ausspruch zur Rechtfertigung , dass jemand etwas ein drittes Mal tut, entspricht in etwa dem angelsächsischen „Third time lucky“ oder in Frankreich „Jamais deux sans trois“, wobei die Bedeutung sich doch von der deutschen unterscheidet.

Da vielfach Begriffe auch verloren gegangen sind – wer weiss noch, was die Leisten für Schuster für Bedeutung hatten? -, ist eine Erklärung notwendig, zumal viele der Redensarten ihren Ursprung im Mittelalter oder gar bei den alten Griechen oder den Römern haben, manche auch aus der Bibel stammen.

Auch die Gaunersprache hat zu Redewendungen geführt. Mit „Kohldampf schieben“ und „Schmiere stehen“ seien nur zwei Beispiele aus diesem Buch genannt.

Und dann gibt es auch noch neue Redewendungen, die wir in den letzten Jahrzehnten verinnerlicht haben. Sie stammen aus Loriot-Sketchen wie „Früher war mehr Lametta“ oder sind unbekannten Ursprungs wie „Das Leben ist kein Ponyhof“.

Wer  bisher von Tuten und Blasen keine Ahnung hatte – also wie anno dunnemals wie ein Nachtwächter durch die Gegend läuft – kann hier einiges lernen, auch wenn er schon Hans und nicht mehr Hänschen ist. Diese Redewendung habe ich allerdings nicht in dem nach Schlagworten alphabetisch angelegten Buch nicht gefunden. Doch das soll kein „Wermutstropfen im Becher der Freude sein“ (abgeleitet von einem Zitat aus „Der Cid“ von Pierre Corneille, erschienen 1636).

Die Auswahl gut gelungen und die Texte von Katharina Marenholtz interessant und kurzweilig. Aufgelockert durch Illustrationen von Dawn Parisi, erschienen im Dudenverlag (2020)

 – – – O – – –

– – – O – – –

Mit „Hand aufs Herz“ beschränkt sich Rolf-Bernhard Essig auf Redensarten von Kopf bis Fuß und ihre wunderbaren, teilweise kuriosen Geschichten.

IMG_9869Dass diese Beschränkung Hand und Fuß hat, beweist Essig in geschätzt weit über 1000 Redensarten, denn diese allein sind Buch füllend. Bei mehr würde mir vermutlich der Schädel platzen. Der Inhalt ist in verschiedene Kapitel als Oberbegriffe für unseren Körper unterteilt – Kopf, Rumpf, Extremitäten und das Kapitel „Die Haut, das Fleisch & die inneren Organe“. Unterkapitel präzisieren in einer zweiten Stufe die Körperteile, im Kapitel „Kopf“ zum Beispiel Mund, Nase, Ohren, Haare und andere. Und !Leck mich am Arsch! (Entschuldigung, steht auch drin), für jeden Begriff beschreibt der Autor die Herkunft und die Bedeutung der Phrase, Redensart und auch Werbeslogans wie „Dahinter steckt ein kluger Kopf“ dem bekannten Motto aus der Zeitungswerbung.

So erfahren wir aus berufenen Mund, was unser Körper so unter dem Aspekt Redensart in verschiedenen Lebenssituationen im Laufe von Jahrhunderten hergegeben hat. Es ist nicht immer stubenrein, manche würde ich in Gegenwart von Kindern NIE nutzen. Essig hat kein Blatt vor den Mund genommen und zeigt damit wie vielfältig die Begriffe um Kopf und Kragen sind. Man kann das Buch ins Herz schließen.

Mit Illustrationen von Detlef Surrey ist das Buch 2020 ebenfalls im Dudenverlag erschienen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s