Und als Dessert: Lecker Waldmeistercreme mit Maikäfer

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Auf der Menuekarte vom 1.Mai 1932 des noblen Wiesbadener Sanatoriums Determann fiel er mir auf: der Maikäfer als Teil des Desserts.

Zur Zeit ist zwar nicht Saison für Maikäfer und Waldmeister, jedoch hat mich der Käfer auf der Karte so fasziniert, dass ich von meiner Entdeckung im Stadtmuseum Wiesbaden (Ausstellung: Stadt – Jugend – Stil) sogleich berichten möchte.

Heute bin ich ein Maikäferfreund, bin stets begeistert, wenn ich im namensgebenden Monat für diese Species einen Melolontha hippocastani entdecke. Als Kind war ich ein Sammler, ein Dompteur und der Versorger einer ganzen Herde im Schuhkarton. Erwachsene Zeitgenossen fütterten mit diesem „Ungeziefer“ die Hühner.

Nie wäre mir eingefallen, eines dieser possierlichen Tierchen, gleich ob Müller, Schornsteinfeger oder Kaiser, zu essen. Es sei denn, es waren die in Stanniol eingepackten oder uneingepackten aus Schokolade. Das war in einer Zeit als nicht mehr „Flieg, Maikäfer, flieg“ gesungen wurde und Reinhard Mey noch nicht seine Erkenntnis „Es gibt keine Maikäfer mehr“ verbreitete.

Jedenfalls gab es 1932 wohl noch genug Maikäfer, die – ich nehme an in kandiertem Zustand – zum i-Tüpfelchen auf der Waldmeistercreme im Wiesbadener Sanatorium mutierten.

So habe ich mich auf die Suche nach Rezepten oder Erwähnungen als Nahrungsmittel für uns Menschen gemacht.

Hier ein Rezept für Maikäfersuppe von der Website von SWR AKTUELL :

Man nehme etwa 30 frisch gefangene Maikäfer, etwas Butter, Mehl und 125 ml Hühnerbrühe.

Den Maikäfern reiße man Flügel und Beine ab, röste die Körper in heißer Butter bis sie knusprig sind und koche sie mit der Hühnerbrühe, bis sie gar sind. Die Suppe zum Schluss mit etwas Mehlschwitze abbinden – und fertig ist eine Portion Maikäfer-Suppe.

Und auf der Seite Naturerleben erfahre ich:

Ein weiteres Kuriosum aus dem 20. Jahrhundert:
Die Maikäfer wurden nicht nur als Hühnerfutter genutzt, sondern fanden auch in der Küche Verwendung. In Frankreich und Teilen Deutschlands wurden sie geröstet und zu Maikäfersuppe verarbeitet. In Konditoreien waren sie verzuckert oder kandiert als Nachtisch zu haben.

Auch bei Wikipedia ist ein Rezept für Maikäfersuppe zu finden:

Zur Zubereitung werden die Maikäfer ohne Flügel und Beine oder Engerlinge in Butter angeröstet und in Kalbfleisch- oder Hühnerbrühe gegart. Je nach Rezept wird die Suppe gesiebt und als Brühe genossen oder die Käfer werden anfangs im Mörser zerstoßen, die Suppe wird passiert und mit etwas Mehlschwitze und Eigelb gebunden. Sie wurde früher oft mit Scheiben von Kalbsleber oder Taubenbrust und geröstetem Weißbrot serviert. Pro Person wurden etwa 30 Maikäfer benötigt.

In einem Aufsatz von 1844 heißt es, dass die Maikäfer (damals) nicht nur als Suppe, sondern von Studenten auch ungekocht gegessen wurden: „In vielen Conditoreien sind sie überzuckert zu haben, und man ißt sie candiert an Tafeln zum Nachtische.“

 

Nicht vergessen und im nächsten Jahr Maikäfer sammeln – und schon im Voraus:

GUTEN APPETIT

8 Gedanken zu “Und als Dessert: Lecker Waldmeistercreme mit Maikäfer

  1. Seit meiner Kindheit habe ich bis heute keinen einzigen Maikäfer mehr gesehen.
    Früher habe ich sie gesammelt, es gab so viele. Meine Mutter kreischte dann am Morgen in der Küche, da ich sie unter dem Spülenvorhang versteckt hatte und mit viel Kraft in die Freiheit gelangen wollten 😀 essen…niemals.

  2. Wirklich kurios. Und seltsam, wie schnell all dies vergesen wurde, so dass man es sich heute kaum vorstellen kann, sondern meint, so etwas nur in Asien antreffen zu können.
    In meiner 60er- u. 70er Jahre-Kindheit waren es schon nicht mehr so viele und wenn wir einen fanden, war es meist ein bejubeltes Einzelexemplar, selbst hier auf dem Lande. Darum sassen zum Pfingstsonntags-Frühstück immer kleine Schokoladenmaikäfer auf jedem Teller, keine kandierten Krabbler.

    • Insektizide haben halt viel vernichtet. Ich denke da auch an die Kartoffelkäfer. Tagelang sind wir durch die Kartoffeläcker gegangen, haben die roten Larven und die Zehnstreifigen gesammelt. Letztes Jahr habe ich mal wieder einen gesehen.

      • Ich bin ja ein Kind der westdeutschen DDT- und E605-Ära, eine Insektenvielfalt habe ich erst später als Jungerwachsene entdecken können. Das wird heute ganz gern verschwiegen, dass heute nicht ein erstes, sondern bereits ein zweites Insektensterben zu beobachten ist, und dass es aufgrund dessen anzunehmen ist, dass sehr wohl auch die Landwirtschaft daran mitzutragen hat, Treckerkonvois hin oder her.

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