Kein frischer Wind in Brüssel

20180905_161613-1Sehe ich Berichte in der Tagesschau oder Heute zu Themen und Arbeitsweise der Europäischen Kommission, wird bei Wortbeiträgen die Fahnenreihe vor dem Gebäude immer im Wind gezeigt. Das verbinde ich mit Dynamik und „frischem Wind“, die im Gebäude herrschen (sollten).

In den letzten Tagen bin ich mehrmals auf dem Weg vom Hotel zur Metrostation „Schumann“ und zurück über diesen Platz gegangen. Es herrschte Flaute und seitdem leite ich aus meinem Foto ab: Kein frischer Wind in Brüssel. Heißt: Hingewurstel bei den Aufgaben der Kommission, sei es Brexit, Klimaschutz und Energie,  bei Wirtschaftsangelegenheiten sowieso. Nur für eine neue Sommer/Winterzeitregelung scheint richtig gearbeitet zu werden.

Draußen geht es jedenfalls ruig und gelassen zu. Schlipse gehen gemessenen Schrittes durchs Bild oder machen Päuschen.

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Auf der anderen Seite des Gebäudes stehen unbeweglich die „European Citizens“, über die die Allgemeine Zeitung schreibt: Witz und Farbe kann das graue Brüsseler Europaviertel gut vertragen. Eine Künstlerin aus dem Westerwald bringt beides. 13 «European Citizens» («Europäische Bürger») aus Metall und Ton hat Susanne Boerner aus Ransbach-Baumbach in Rheinland-Pfalz entworfen.

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Die Skulpturen wurden zum 60jährigen Jahrestag der Römischen Verräge im letzten Jahr am hinteren Eckchen des riesigen Bauwerks aufgestellt.

In der Allgemeinen Zeitung ist weiter zu lesen – und dabei wird auch die Künstlerin zitiert: Die Körper aus verrostetem Metall, die Köpfe aus Ton – bunt, individuell und mit einem Hauch Humor. Eine Figur hat lilafarbene Haare, die andere einen Vogel auf dem Kopf – «die Leute sollen schmunzeln, wenn sie vorbeigehen», sagt Boerner, die seit mehr als 30 Jahren künstlerisch tätig ist. «Ich möchte gute Stimmung in die Welt bringen. Die Welt ist so hart, das ignoriere ich einfach.» Die Skulpturen wurden fest montiert und sollen dem Ort mehr Leben einhauchen.

In meinen Augen erscheint der Gesichtsausdruck einiger Tonköpfe recht einfältig – sind  europäische Citizen denn so? Aber gut, wenn die Künstlerin es möchte, schmunzele ich im Vorbeigehen. Schlimm genug, wenn diesem Ort Leben eingehaucht werden muss.

So winken einige in ihren Cortenstahl-Körpern den Miteuropäern auf der anderen Seite der Straße zu

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Ich verliere sie aus den Augen, denke nach über das „TeamJunkerEU“ und den fehlenden frischen Wind.

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3 Gedanken zu “Kein frischer Wind in Brüssel

  1. Du bist der geborene Diplomat.
    Wo soll den bei den total überlasteten Sesselpupsern aber auch frische Luft herkommen? Bei dem vorherrschenden Muff könnte man durchaus kräftigere Worte auch gebrauchen. Na ja, vielleicht verbietet man in allernächster Zukunft ja mal was Vernünftiges. Ich hätte da Ignoranz und Dummheit auf der Wunschliste.

  2. Die Skulpturen erinnern mich an llustrationen von Kinderbüchern, insofern ist es eine unabsichtlich sehr zutreffende Botschaft, dass draussen die Naiven wandeln, während sich drinnen eine Gegenwelt befindet, die so tut, als wären die schlicht heitere-Gemütsart da draussen zwar die gute Begründung, aber nicht der wirkliche Grund für ihr sich selbst erfüllendes Dasein.

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