Das erste Früchtchen

Nach dem Frost sah sie nicht gut aus, die Feige in meinem Garten. Im Frühjahr wurde sie „auf Stock geschnitten“, der Stumpf mit dem Wurzelballen in einen Topf gesetzt. Was daraus geworden ist? Heute habe ich die erste Frucht entdeckt. Die wird zwar nicht reif werden, aber Hoffnung für eine Ernte im nächsten Jahr besteht – wenn ich sie im Winter besser vor Minusgraden schütze.

Bibi Dumon Taks GROSSE VOGELSCHAU

Eines der am aufwändigsten produzierten Bücher der Niederlande ist das fünfbändige Werk „Nederlandsche Vogelen“, erschaffen in den Jahren 1770-1829. Begonnen wurde es von Cornelis Nozemann und Christian Sepp. 200 in den Niederlanden brütende Vogelarten wurden beschrieben und mit 250 Illustrationen in handkolorierten Kupferstichen dargestellt.

Bibi Dumon Tak hat 30 Arten mit den originalen Illustrationen in ihre Große Vogelschau aufgenommen und mit aktuellen Texten versehen.

Die Abbildungen sind der Ausgabe entnommen, die in der Königlichen Bibliothek in Den Haag aufbewahrt wird. Die Autorin verweist deshalb auf dieses Exemplar, da jede einzelne Illustration von Hand koloriert wurde und so Unterschiede in der Farbgebung bei den verschiedenen Exemplaren durchaus üblich sind.

Wie der Untertitel dieses großformatigen Buches – „Von Luftakrobaten, Überfliegern und Krachmachern“ – erahnen lässt, sind die Texte für Kinder ab 9 Jahren gedacht. Sie erscheinen als gut verständlich und teilweise amüsant. Dabei werden die Vogelarten aus heutiger Sicht und Kenntnis beschrieben. So unterscheiden sie sich von der Originalversion, in der die Rohrweihe als Hühnerkükenräuber nicht gern gesehen wurde und eine Prämie für den Abschuss ausgelobt war. Einige Arten wurden als essbar bezeichnet und empfohlen, die Eier zum Verzehr zu sammeln. Inhalte, die, wären sie heute geschrieben, Empörung und massive Entgegnungen von Tier- und Naturfreunden erzeugen würden. So setzt sich Bibi Dumon Tak im „direkten Dialog“ mit Cornelis Nozeman auseinander, der anfänglich die ersten Texte schrieb und die Regeln für das „Nederlandsche Vogelen“ aufstellte: Nur in den Niederlanden brütende Vögel sollten darin aufgenommen werden, die Vögel sollten der Reihe nach – so wie sie bei Nozeman eingingen – beschrieben werden. Dies bedeutete, dass neben dem Vogel auch ein Nest und ein Ei nachgewiesen sein musste. Aus diesen Vorgaben ergab sich, dass das Original keiner Systematik nach den verschiedenen Ordnungen der Arten folgt, sondern den Regeln Nozemans entsprechend als chaotisch zu bezeichnen ist. Diese Reihenfolge wird auch in diesem Buch bei den 30 von 200 Arten eingehalten.

Copyright der deutschsprachigen Ausgabe © 2018 Gerstenberg Verlag

So beginnt die Schau mit dem Eichelhäher und endet mit dem Höckerschwan. Alle, in diesem Buch aufgeführten Arten brüten auch in Deutschland, darunter seltene wie die Uferschnepfe und das millionenfach vorkommende Rotkehlchen. Erfreulich ist, dass einige – den Kindern sicherlich unbekanntere Arten – beschrieben werden (Uferschnepfe, Raubwürger), Vögel, die die meisten von ihnen sicherlich noch nie gesehen haben. Andererseits sind Buntspecht, Zaunkönig , Weißstorch und Fasan dabei. Kohl- und Blaumeise sowie Sperling, Amsel, Schwalben oder Mauersegler sucht man allerdings vergebens. Die Auswahl erscheint recht willkürlich, auch wenn unter dem Motto des Untertitels die Besonderheiten im Vordergrund stehen. Zum Beispiel die Intensität des Hämmerns des Buntspechts, der durch einige Besonderheiten am und im Kopf bei seiner Nahrungssuche keine Gehirnerschütterung bekommt.

Ein Buch nicht nur für Kinder, mit aktuellen Informationen, die jeden Naturfreund begeistern können, und mit den großartigen Illustrationen, die vor 200 bis 250 Jahren geschaffen wurden – den Regeln Nozemans entsprechend oftmals mit Nest und Ei gezeichnet, gestochen und koloriert.

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Bibi Dumon Taks GROSSE VOGELSCHAU, erschienen im Gerstenberg Verlag (2018), übersetzt von Meike Blatnik, Hardcover, fadengeheftet, Format: ca. 28 x 38 cm

Originaltitel: Het heel grote vogelboek

Entdecke die Wunder des Regenwaldes – Katharina Vlcek: Amazonien

Ein All-Age-Buch über den Regenwald, üppig illustriert und mit vielen Fakten und Zahlen beschrieben

Katharina Vlcek läßt uns – Kinder, aber auch Erwachsene sind dazu eingeladen – die Amazonas-Region mit seinem Gewässern, der üppigen Flora und Fauna und auch den Menschen entdecken.

Die ersten Wahrnehmungen unter dem Blätterdach des Regenwaldes sind: Hitze, feuchte Luft, kaum Tiere zu sehen , jedoch jede Menge tierischer Geräusche zu hören, in einem Labyrinth von Flüssen. Zunächst der Amazonas mit mehr als 10.000 Nebenflüssen – den Schwarzflüssen mit den verrottenden Pflanzenteilen, den Weißwasserflüssen, die in den Anden entspringen, und den Kaltwasserflüssen aus dem Süden, die in flacher Landschaft langsam fließen und kaum Sedimente aufwirbeln.

Allein diese ersten vier Seiten des Buches enthalten so viel Interessantes, dass die Neugier auf Amazonien vollends geweckt ist.

Als Nächstes zeigt uns Katharina Vlcek die Gliederung des Regenwaldes mit den verschiedenen Stockwerken, in denen die unterschiedlichen Pflanzen von Moosen am Boden bis zu den Kronen der bis 60 Meter hohen Baumriesen wachsen. Darin leben, ebenso in verschieden Höhen verteilt, mit Ameisen und Tapieren am Boden hoch zu den Aras in den Wipfeln, dazwischen Brüllaffen und Leguane zahlreiche andere Tierarten – nicht zu vergessen die Würmer im Boden und Fische in den Gewässern.

Wir erfahren viel über die Wetterkreisläufe und jährlich tausende Tonnen Saharasand, die in den Regenwald herein geweht werden und ihn mit Nährstoffen versorgen, und über das Zusammenspiel von Wasser und Licht.

Die Kreisläufe und Nahrungsketten – Fressen und Gefressen werden – werden dargestellt, ebenso das Tarnen, Warnen und Überlisten, das in einem solchen System bei dem Versuch zu überleben im artenreichsten Lebensraum unseres Planeten so wichtig ist. Andererseits existieren aber auch Symbiosen, die vieles Leben erst durch Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Lebewesen erst möglich machen. Diese Vielfalt wird mit Zahlen und herrlichen Abbildungen einiger seiner Bewohner dokumentiert, darunter Plagegeistern, Schmarotzer, aber auch der stattlichen Victoria amazonica, die größte aller Seerosen mit Blättern, die einen Durchmesser von bis zu drei Metern aufweisen.

Illustrationen © Katharina Vlcek

Den Menschen sind weitere Kapitel gewidmet. Sechs Millionen bewohnen dieses Gebiet, größtenteils in Millionenstädten wie Manaus. Ein kleiner Teil entzieht sich aber bis heute dem Kontakt mit der restlichen Welt und so leben im Regenwald wohl noch 80 unkontaktierte indigene Völker. Wie groß die Unterschiede zwischen den Bewohnern der großen Städte und den Bewohnern fernab der Metropolen ist, ist nahezu unvorstellbar und wird hier exemplarisch an einigen Lebensgewohnheiten der fernab der sogenannten Zivilisation Lebenden gezeigt.

Ein Überblick über die Geschichte der Region inklusive der Besiedelung runden die „Entdeckungsreise“ ab.

Danach kommt das Buch in der zerstörenden Gegenwart an. Brandrodungen, Ausbeutung durch Abholzen und andere stark schädigende Eingriffe in Flora und Fauna werden beschrieben. Zum Schluss der Aufruf, sorgsam mit den Ressourcen des Regenwaldes umzugehen und Beispiele, wie wir alle dazu beitragen können.

Dieses Buch ist vom Verlag für Kinder ab neun Jahren empfohlen. Verständlich für diese Altersgruppe geschrieben mit allen wesentlichen Fakten und Informationen über das umfangreiche Thema des Regenwaldes und Amazoniens. Informativ und anschaulich für alle Generationen.

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Katharina Vlcek: Amazonien – Entdecke die Wunder des Regenwaldes, Haupt Verlag (2021), 72 Seiten, fadengeheftet, Format ca. 30×30 cm

Still ruht der Bahnhof

Über allen Gleisen ist Ruh

auf allen Gleisen siehst du

nicht einen Zug

Der Hauptbahnhof der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden,

nachdem der Kopfbahnhof aus Kaiser Wilhelm II. Zeiten – 1904-1906 aufwendig erbaut im Neobarock – seit Wochen nahezu vollständig vom Bahnverkehr abgekoppelt ist.

Nur eine Regionalbahnlinie in Richtung Niedernhausen ist noch in Betrieb. Das wird noch einige Monate so weitergehen, bis die akut einsturzgefährdete Autobahnbrücke der A66 gesprengt ist, unter der die Gleise zum Bahnhof verlaufen und über die die meisten Züge nach und von Wiesbaden verkehren. Danach sind die Gleise freizuräumen und freizugegeben.

Wenn sie blüht, blüht sie üppig: Strauchrose CANDELA

Sie blüht mehrmals im Jahr, dann jeweils üppig, die Strauchrose Candela®.

Anfangs sind die Blüten honiggelb

Bei fortschreitender Blühdauer verblassen die Blütenblätter jedoch etwas, möglicherweise in diesem Jahr auch dem Regen geschuldet

Gegen Ende der Blütezeit verfärben sich die äußeren Blütenblätter sogar ins Rosane

Insgesamt ein erfreulicher Anblick im Garten

Dieses Exemplar wächst in einem Kübel im Halbschatten.

Zwischen den einzelnen Blühphasen liegt – bei den Bedingungen in meinem Garten – jeweils etwa vier Wochen – bis sich neue Blüten gebildet haben. Die jeweilige Blühdauer ist, verglichen mit anderen meiner Rosen recht kurz.

Candela® ist eine Züchtung von Rosen-Tantau

Raffaels weltbekannte „Madonna im Grünen“ in der kleinen Kirche im Spessart

Neben den beiden Engeln der Sixtina, die weltweit auf Keksdosen, Geschenkpapier, Regenschirmen und andere Accessoires vermarktet werden, ist die „Madonna im Grünen“ wohl das bekannteste von Raffaels Werken.

Auf einer Wanderung im Vorspessart traf ich sie nun in der Kirche St. Judas Thaddäus der Piusbruderschaft in Elsenfeld.

In der 1999 erbauten Kirche im Stil des Julius-Echter-Barocks befindet sie sich integriert in einen Seitenaltar.

Dann fällt es auf und der Vergleich zum bekannten Bild zeigt es: Da ist noch etwas dazu gekommen:

Links das Original*. Rechts das Bild im Altar – und wir sehen darin neben dem Heiligenschein von Maria und denen von Jesus und Johannes im gekennzeichneten Kreis genau die Kirche, in der wir uns gerade befinden. Der Jesus am Kreuz, der unten in der Mitte des Bildes zu sehen ist, gehört nicht dazu, ist ein anderes Teil des Altars. Die Kirche aber, da ist sie:

Abgesehen von den Heiligenscheinen, die wohl zum Geist der Mitglieder und Anhänger der Priesterbruderschaft St. Pius X. passen, empfinde ich die Einfügung der Kirche als pfiffige Idee. Über Gründe, das Original so zu „ergänzen“, möchte ich nicht spekulieren, ebenso auf Interpretationsversuche verzichten.

* Die Abbildung des Originals „Madonna im Grünen“ ist dem Wikipedia-Artikel „Madonna im Grünen“ ( https://de.wikipedia.org/wiki/Madonna_im_Gr%C3%BCnen ) entnommen

Schnick Schnack Schabernack – Das Hausbuch der Reime und Lieder für die Allerkleinsten

Wenn ich als 75jähriger zu diesem Buch greife und in die Reime und Lieder abtauche, hat das einen Grund: Enkelin Levke ist mit ihren fünf Monaten zu Besuch und und ich möchte die Kleine das eine oder andere Mal beschäftigen und bespaßen.

In meiner Erinnerung sind noch einige Fingerspiele und Kniereiter wie sie meine Großeltern und Eltern mit mir und wir mit unseren Kindern gespielt haben. Aber das Repertoire ist erweiterbar, nicht nur für die Großeltern sondern auch für die Elterngenration von Levke. Dazu ist das Buch hervorragend geeignet und wird uns einige Jahre begleiten.

Es ist ein Buch „für alle Gelegenheiten“ mit Versen über Körperteile, solchen beim Essen, zum Trösten und zum Einschlafen, Spiele mit Fingern und Händen, Kniereiter, Bewegungs- und Tanzspiele. Neben den Texten sind die Spiele erläutert. Außer denen, die wir immer noch verinnerlicht haben – bei den bekanntesten und traditionellen gelingt die Koordination von Text und Handbewegungen bis heute -, lerne ich auch unbekannte alte Reime und Spiele kennen, zudem moderne. Ebenso ist es mit den Liedern, zu denen die Notensätze aufgeführt und um die Gitarrengriffe ergänzt sind.

Tanz- und Bewegungsspiele als Lieder und kleine Gedichte sowie Spiele und Lieder „für alle Gelegenheiten“ wie Geburtstage und Feste sind in ansehnlicher Menge zu finden. Dazu enthält das Buch die kleinen „Lernsachen“ zum Tageslauf, über Uhr- und Jahreszeiten, Wind und Wetter und vieles mehr, bis hin zu Versen mit den Buchstaben des Alphabets, Zaubersprüche und Nonsensgedichte.

Daraus ist zu erkennen, dass Schnick Schnack Schabernack unsere Enkelin bis ins Kindergartenalter begleiten kann und wir längere Zeit aus diesem Buch zahlreiche Anregungen erhalten werden, uns mit ihr zu vielen Gelegenheiten mit Spaß für sie und auch für uns zu beschäftigen.

Der Ernst bei der Sache: Diese Zuwendung im ersten Lebensjahr, die aus Sprechen, Singen, Berühren und Streicheln besteht, ist ein wesentlicher Bestandteil zur späteren sprachlichen Kompetenz des Kindes. Ein Vorhaben, bei dem wir frühzeitig zum Wortschatz des Kindes beitragen, ihm helfen, später seine Welt in Worte zu fassen. Mit diesem Buch bin ich dabei!

Aufgelockert werden die von Renate Raecke und Monika Blume gesammelten Reime und Lieder durch die hübschen Illustrationen von Gerda Raidt, die dem Buch ein fröhliches Gesicht verleihen, in das man gern hineinschaut. Wenn dann noch Zeit bleibt, sich allein am Buch zu erfreuen, dann findet man am Ende ein Verzeichnis Quellen und der Autoren von Matthias Claudius über Bertholt Brecht bis Paul Maar und ein alphabetisches Verzeichnis der Gedichte und Lieder.

Ein Buch, das sicherlich als „pädagogisch wertvoll“ einzuordnen ist, das aber vor allem Spaß und Freude bringt für die Allerkleinsten und für die, die ihnen die Inhalte vorspielen und vorsingen.

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Renate Raecke – Monika Blume – Gerda Raidt: Schnick Schnack Schabernack

Erschienen im Gerstenberg Verlag (2021) in einer hochwertigen, fadengehefteten Halbleinen-Ausgabe, 144 Seiten, im Format 22,7 x 26,9 cm

Nationalpark : Wo Mensch und Wildnis sich begegnen – Heft 192, 2/2021

Was die ADAC Motorwelt für viele Autofahrer ist die Zeitschrift NATIONALPARK für die Mitglieder des Vereins der Nationalpark-Freunde e.V. und auch unorganisierte Freunde dieser Parks sowie „sonstige“ Naturfreunde. Mit einem Unterschied jedoch: NATIONALPARK setzt sich sehr kritisch mit Ereignissen und Gegebenheiten auseinander, die die Natur belasten oder zerstören.

Die Zeitschrift erscheint vier Mal pro Jahr im oekom Verlag. Die vorliegende Ausgabe beinhaltet u.a. einen Artikel über den Alpensteinbock im Nationalpark Hohe Tauern, den Vogelzug auf Pellworm sowie einen „Streifzug durch die Döbritzer Heide mit ihrer faszinierenden Insektenwelt“ mit lesenswerten Texten und Fotos, wobei der Textteil dominiert.

Was mich noch mehr interessierte, war der Hauptartikel „Coole Wälder braucht das Land – Wie Waldaufbau im Klimawandel gelingen könnte“. Darin werden die unseligen Fichtenmonokulturen angesprochen, die schon seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts von Fachleuten kritisiert werden, trotzdem nach den Abholzungen in der Folge des 2. Weltkriegs in noch größerem Maße wieder entstanden. Zu meiner Verwunderung wird auch heute noch von einigen Forstleute legal, wenn auch mit kleinen Tricks gesunder Buchenbestand abgeholzt und durch Fichten ersetzt. An einem Beispiel wird diese Verfichtung beschrieben und andererseits darauf hingewiesen, dass in nutzungsfreien Waldflächen sowie auf naturbelassenen Windwurfflächen ohne Beräumung des Holzes wesentlich mehr Individuen heimischer Baumarten wachsen als auf geräumten Flächen – bis zum Vierfachen im Vergleich. Von der konventionellen Forstwirtschaft werden nach Ansicht des Autors diese wissenschaftlichen Belege kaum beachtet, diesen fehlendes ökologisches Einfühlungsvermögen und Unbelehrbarkeit vorgeworfen, eine naturnähere Forstwirtschaft zu betreiben. Das sind starke Worte. Wenn es jedoch stimmt, dass in der Forstwirtschaft ein stärkeres Umdenken erfolgen muss, dann sollte es jetzt sein.

Für mich mehr zum Schmunzeln ist dagegen der kritische, ernst gemeinte Beitrag über einen neuen Trend in der Wellness-Landschaft mit dem Titel „Lust auf Waldbaden?“ und der damit verbundenen Kommerzialisierung des Trends und einigen damit verbundenen kuriosen Auswüchsen.

Für mich, der gern im Wald so vor sich hin geht, stundenlang darin wandert und sich an Flora und Fauna erfreut, ist diese Ausgabe von NATIONALPARK eine abwechslungsreiche und anregende Lektüre.

Nationalpark, Herausgeber: Verein der Nationalparkfreunde e.V., erscheint viermal jährlich im oekom verlag

Auf einer Schmetterlingswiese im Spessart

Weibchen des Hauhechel-Bläulings (Polyommatus icarus)

Während sich das Hauhechel-Bläuling-Weibchen einfach fotografieren ließ, flatterten die blauen Männchen hin und her, boten keine Gelegenheit zu einer Aufnahme.

Kleiner Feuerfalter (Lycaena phlaeas)
Kleines oder Großes Ochsenauge

Fotos vom 21.07.2021, nördlich von Rück, einem Ortsteil von Markt Elsenfeld im unterfränkischen Kreis Miltenberg. Die kleine Wiese liegt direkt unterhalb der Rücker Kapelle, die 1931 zum Gedächtnis der im I. Weltkrieg gefallenen Soldaten errichtet wurde.

Bart Rossel/Medy Oberendorff: Die wunderbare Welt der Insekten

Hätte ich das Buch doch schon vor über 60 Jahren lesen können, ich hätte viele Jahre früher verstanden, was Metamorphose bei Insekten bedeutet, wie sie verläuft. Begeistert hätten mich damals als Kind die Abbildungen – und sie erfreuen mich auch noch heute – sowie die kindgerechte Ansprache im Text.

Dieses Buch hat es in sich: Von den rund einer Million beschriebenen Insektenarten werden hier etwa 100 vorgestellt oder erwähnt und teils lebensgroß, teils aber auch wie unter dem Vergrößerungsglas betrachtet, in herrlichen Illustrationen dargestellt.

Aber nicht nur die Artenvielfalt ist riesig, auch die „Gewichtung“ im Vergleich zum Menschen hat eine unvorstellbare Dimension. So entspricht allein das Gewicht der Ameisen dem der gesamten derzeitigen Menschheit. Allein an diesem aussagekräftigen Beispiel ist zu ersehen, wie verständlich das Buch für Kinder geschrieben ist – und auch für alle, die aus diesem Alter herausgewachsen sind.

Doch nach dieser Schwärmerei über Text und Illustration:
Der Reihe nach:

Zunächst erfahren wir, was genau Insekten sind und auf einer Doppelseite die Aufteilung dieser großen Gruppe in Altflügler und Neuflügler. Die Unterteilung der Neuflügler mit unvollständiger Verwandlung und solche mit vollständiger Verwandlung. Da fängt schon an, was für mich einst bei der Metamorphose unverständlich war: Dass ein Teil sich, ohne über das Puppenstadium zu entwickeln, zum Imago verwandelt, bei anderen eben dieses Puppenstadium durchlaufen wird.

Im Kapitel Formen und Grössen wird im Zusammenhang mit dem Bauplan des Insektenkörpers der Gestaltwandel verständlich für die zwei Gruppen beschrieben: Denen, die als kleine Ebenbilder ihrer Eltern aus dem Ei schlüpfen , sich in der Wachstumsphase mehrmals häuten, dabei aber ihr Aussehen nicht verändern (Beispiel: Zikaden), und jenen wie Marienkäfer, die als Larve aus dem Ei schlüpfen, sich verpuppen und schließlich zum Vollinsekt werden.

Dabei können sie als „Erwachsene“ klein bleiben wie die Tinkerbella, einer Zwergwespe, die etwa 1/7 Millimeter misst, bis zu den riesigen Atlasspinner, größer als eine Kinderhand.

Ein weiteres Kapitel beschreibt die Selbstverteidigung. Damit ist das Tarnen, das Bluffen (schöner Begriff, den jedes Kind versteht), das Lärmen der Zikaden , die Kanonenschüsse des Bombardierkäfers oder die Stachel als Selbstverteidigung ihrer selbst oder der Artgenossen gemeint.

Ameisen sind Supertiere!, das wissen die meisten von uns. Wie eine Ameisenkolonie funktioniert, mit der Fortpflanzung, mit Kommunikation, Alarmierung und Nestbau, der Jagd nach Nahrung und der „Sklavenhaltung“ wird in diesem Kapitel beschrieben.

In Die Liebe erfahren wir, wie und mit welchen Mitteln die Sechsbeiner auf Partnersuche gehen. So zum Beispiel die paarungswilligen männlichen Glühwürmchen, wie sie bei Dunkelheit Lichtsignale aussenden.

Kennst du ein Insekt, das im Meer lebt?“ leitet das Kapitel Lebensraum ein. Um es an dieser Stelle zu beantworten: Ja, gibt es, ist aber selten. Viele der Insekten leben in Feuchtbiotopen, andere gar wie der Mistkäfer im oder am Kot. Dabei werden verschiedene Arten mit diversen Lebensgewohnheiten vorgestellt.

Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit dem Thema Nützlich oder schädlich. Flöhe und Läuse werden dabei eindeutig zugeordnet, bei Raupen gibt es jedoch sowohl die Nützlichen, die Raupe des Seidenspinners, als auch die Schädlichen, wie die des Eichenprozessspinners. Insekten werden aber auch als die „Müllabfuhr der Natur“ bezeichnet, indem sie sich von Tierkadavern ernähren, folglich der Kategorie „Nützlich“ zuzuordnen sind. Darüber hinaus dienen sie in der Forensischen Entomologie dem Nachweis, wie lange eine Leiche bereits tot ist. Hier hat sich – vermutlich bei der Übersetzung – der einzige, in Bezug auf den übrigen Inhalt des Buches völlig unbedeutende Fehler eingeschlichen: In Deutschland werden diese Untersuchungen von einem Rechtsmediziner (nicht Gerichtsmediziner) durchgeführt. Am Schluss dieses Kapitel folgt noch ein interessanter Aspekt, der Möglichkeit, Insekten als Plastikfresser einzusetzen. Ich wünschte , es wäre möglich. Mehr wünsche ich mir jedoch, dass meine Zeitgenossen und ich es dabei belassen könnten, dass auf diese Nahrungsquelle nicht gebaut werden müsste und immer für alle Insekten genügend von ihrer Nahrung vorhanden wäre.

Bart Rossel und Medy Oberendorff haben Die wunderbare Welt der Insekten grandios und genial dargestellt, für Kinder und all jene, die sich davon begeistern lassen wollen – und da gibt es keine Altersgrenze.

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Bart Rossel (Text) und Medy Oberendorff (Illustration): Die wundersame Welt der Insekten. Erschienen bei Gerstenberg (2019), übersetzt von Eva Schweikart.

Großformatiges Buch: 27.6 x 1.7 x 37.6 cm, empfohlen für das Lesealter 8-10 Jahre

Originalausgabe: Het Wonderlijke Insectenbook (Niederlande, 2017)