Die Kneip‘ hat uff

Einkehrmöglichkeiten während des Corona-Lockdowns zu finden, ist nicht einfach. Auf unserer kleinen 10-Kilometer-Nachmittags-Wanderung fanden wir jedoch eine.

Naja, kleines Wortspiel, flacher Gag.

Wir liefen eine Runde, ausgehend vom Parkplatz neben der Wiesbadener Fasanerie hinaus zum Schläferskopf mit dem baufälligen Kaiser-Wilhelm-Turm ….

…. und dem schon vor Coronazeiten wegen Renovierungsstau und Baufälligkeit geschlossenem Restaurant.

Traurige Bilder!

Aber das Rascheln beim Laufen auf dem Laub und der Blick in den Herbstwald entschädigte uns.

Unter dem Schläferskopf befindet sich ein 2,8 Kilometer langer Stollen, der um 1900 in den Taunus hineingeschlagen wurde, um Wiesbaden mit Trinkwasser zu versorgen. Auf dem Weg zurück zur Fasanerie kamen wir am Portal des Stollens vorbei.

Die Tour:

Augenschmaus und Schnupperkurs: BURGEN UND SCHLÖSSER – Reisen zu den schönsten Meisterwerken der Baukunst in Deutschland und Österreich

Herrliche Fotos von rund 200 Burgen, Schlössern und Stadtpalästen in Deutschland, Österreich und Böhmen hat Rolf Tomann für dieses Buch zusammengetragen. Barbara Bornträger steuerte Einleitung und Beschreibungen der Anlagen aus vielen Jahrhunderten bei.

Hauptaugenmerk ist auf die bildliche Darstellung gerichtet. Die Beschreibungen fallen dagegen recht spärlich aus, beinhalten jedoch das Wesentliche zu Baustil und Geschichte der Objekte.

In der Einleitung beschreibt Barbara Bornträger zunächst die Bedeutung der Bauwerke als Sinnbilder für Macht, herrschaftliches Wohnen und Schutz und Trutz. Von Festungen über Kaiserpfalzen zu Barockresidenzen, klassizistischen Schlössern bis hin zu den Nachempfindungen im Historismus wird die gesamte Bandbreite von Schutz und Wehr bis Protz aufgeführt.

In vier Kapiteln werden danach die ehemals und auch heute noch bedeutendsten Anlagen eingehender in der Totalen und im Detail in Fotografien gezeigt und in Texten erklärt:

  • Vom Münsterland ins Rheintal
  • Preußen, Sachsen, Böhmen
  • Von Unterfranken nach Oberbayern
  • Von Wien nach Tirol

Zum Teil sind es nur die Überreste, die von einstiger Macht zeugen. Dazu zählt in der Einleitung die Kaiserpfalz Gelnhausen. Wie eine ganze Stadt an einem Schloss ausgerichtet ist, wird an Karlsruhe und deren Schloss dargestellt. An diesem Beispiel erweist sich aber auch die Schwäche des Buches: mit einem Plan der Schlossanlage mit den ursprüngliche 32 um den Schlossturm als Zentrum radial auslaufenden Alleen und Straßen hätte die Einmaligkeit sichtbar dargestellt. Und so werden auch bei anderen Objekten Grundrisse oder Karten vermisst.

Wird jedoch dieses großformatige Buch als Bildband angesehen, erfüllt es mit den zum Teil doppelseitigen Fotos seinen Zweck.

Ob es die repräsentativen Schlösser mit oder ohne riesige Gartenanlagen wie Potsdam oder die Wiener Hofburg sind oder Kleinode wie Wörlitz mit den prächtigen Gärten: es wird ein umfangreiches Spektrum der Baukunst gezeigt – bis hin zu den fantastischen Neuschwanstein und Herrenchiemsee.

Ein Augenschmaus und zugleich Schnupperkurs, so kann dieses Buch genannt werden. Der Augenschmaus durch 1000 Jahre Architektur und Innenausstattung von einfachem Baudekor an der Wand des Palas der Ruine der Kaiserpfalz in Gelnhausen bis zum Barock oder dem romantischen Interieur Neuschwansteins. Ein Schnupperkurs, der beim Durchblättern und betrachten der Fotografien Wünsche nach Reisen zu dem einen oder anderen Bauwerk aufkommen lässt.

(Wörlitz und nach vielen Jahren wieder einmal Würzburg sind es bei mir.)

Zur intensiven Beschäftigung mit einem Objekt der gezeigten Burgen, Schlösser oder Stadtpalais ist dieses Buch nicht geeignet und ist sicher von Herausgeber so auch nicht beabsichtigt. Da müssen dann Monographien gelesen und/oder ein Besuch abgestattet werden.

Auf 225 Seiten bietet das Werk jedoch einen umfangreichen Überblick über die Meisterwerke dieser Baukunst in Deutschland, Österreich und Böhmen.

– – – O – – –

BURGEN UND SCHLÖSSER – Reisen zu den schönsten Meisterwerken der Baukunst in Deutschland und Österreich, herausgegeben von Rolf Torman, mit Texten von Barbara Borngässer, produziert von Thomas Paffen. Erschienen im Vista Point Verlag (2020), Format: 25,8 x 2,7 x 34,8 cm

(Wird online auch unter dem Titel „Burgen, Schlösser, Stadtpaläste“ offeriert, vermutlich unter dem vorläufigen Titel)

„Rotes Hohlchen“, ein Hohlweg aus der Römerzeit

Drei Kilometer nördlich des Wiesbadener Kreuzes, Schnittpunkt der Autobahnen A3 und A66, wanderten wir ein Stückchen auf den Spuren der Römer, die auf dem schmalen Hohlweg (hessisch offensichtlich „Hohlchen“) diesen Weg von Wiesbaden zu ihrem Lager auf dem Hochfeld – heute im Gebiet der Stadt Hofheim – nutzten. Das „Rote Hohlchen“ ist inzwischen ein hessisches Kulturdenkmal, nachdem es einige Zeit zugeschüttet war und vor einigen Jahren wieder freigelegt wurde.

Trotz der Nähe der Autobahnen fühlten wir uns in einer idyllischen herbstlichen Welt, fernab der großen Verkehrsadern.

Die kleine Wanderung von knapp acht Kilometer war der Test eines Streckenabschnitts für eine künftige zünftige Wanderung, die Karl, mit dem ich diese „Erkundung“ machte, für die nächste Zeit plant. Die wird dann aber von unserem Wohnort westlich von Wallau in Nordenstadt beginnen und enden.

The Times They Are a-Changin‘

Mit so knarzender Stimme wie Bob Dylan kann ich nicht singen. Und so bedeutend wie er seine Vision von der Zukunft beschreibt, ist die in meinem kleinen Universum schon gar nicht.

Es sind die kleinen Änderungen, die sich soeben hier vollziehen: Vom Garten und der Terrasse mit Pflanzen und allerlei Getier geht’s hinein ins Wohnzimmer mit Sessel und etlichen ungelesenen Büchern. Angefangen hat es bereits vor einer Woche und es wird für die nächsten Monate so bleiben. Blumen und das eine oder andere Tier werden mich aber auch „indoor“ begleiten.

Zur Zeit erfreue ich mich an Rosen, gezeichnet von Rosie Sanders, der „Meisterin der Blumenkunst“.

Und in der Zeit, in der die Bienen ihre Arbeit fast ausschließlich im Stock verrichten, werde ich mich noch einmal eingehend mit ihnen beschäftigen. „Die Honigfabrik“ von Jürgen Tautz und Diedrich Steen liegt schon bereit.

Nach meinem Besuch im Till Eulenspiegel-Museum in Schöppenstedt habe ich zudem alle 96 Historien des sogenannten Schalks zum wiederholten Mal gelesen.

Von diesen Büchern werde ich hier demnächst mehr berichten – und mal schauen, was sonst noch in Philipps kleinem Universum passiert.

Zu finden bin ich nach wie vor auch in Krimilese, für die ich vom Liegestuhl ebenfalls in den Sessel umgezogen bin. Schaut mal, was ich da zu berichten habe.

Grüße aus dem Lesesessel, Philipp

„Mit Verlaub Herr Präsident, Sie sind ….

Dies ist kein Anekdotenbuch, wie es der Titel vermuten lässt. Auch verheißt der Untertitel „Wörter, die den Bundetag in Atem hielten“ mehr Dramatik, als im Buch zu finden ist.

Vielmehr ist es eine penible Auflistung etlicher, im Bundestag gesprochener Worte, die politisch, gesellschaftlich oder im Umgang der Abgeordneten und Regierungsmitglieder untereinander relevant waren oder sind. Berichtet wird über die Bedeutung und den Zusammenhang, in dem die Begriffe benutzt wurden. Anhand von Grafiken wird außerdem dargestellt, in welchen Jahren ein solches Wort wie oft gesagt wurde. Daraus ist zu erkennen, wie sich die Themen und ihre Bedeutung im Laufe der Zeit verschoben haben.

In einem kleinen Kapitel am Anfang sind die prägenden Themen der Jahrzehnte aufgeführt. So werden heute viele unserer Mitbürger nach der Bedeutung googeln, wenn in den 50ern Schumanplan und Besatzungskosten viele Debatten geprägt haben, während Klimaschutz oder Mindestlohn heute feste Begriffe sind, die in den meisten unserer Köpfe verankert sind.

So hat jede Zeit ihre prägenden Begriffe: in den 50gern Saarstatut, Golfkrieg Anfang der 90er oder seit etlichen Jahren Brexit. Über Schulden wurde dagegen zu jeder Zeit gesprochen. Anfangs weniger, später mehr.

Das Buch ist das Ergebnis der Auswertung aller Reden des Parlaments von 1949 bis zur letzten Sitzung vor der Sommerpause 2019 von denen mehr als 200 Millionen Wörter stenografisch dokumentiert wurden. In vier Blöcke wurden die Ergebnisse eingeteilt: Politische Herausforderungen, Gesellschaftlicher Wandel mit der Rolle der Frau, Deutschland und die Welt sowie – und hier werden dann einige Begriffe und Zwischenrufe, die der Titel verspricht, aufgelistet, Heiterkeit, Lachen oder gar Ausschluss von der Sitzung inklusive Saalverweis zur Folge hatten – Parlamentarischer Sprachgebrauch.

Die Datenanalyse stammen von überwiegend von Mitarbeiterinnen und Mitarbertern von ZEIT Online.

Eine interessante Lektüre über die Entwicklung, Verschiebung von „Wichtigkeit“ von Themen bei Debatten im Deutschen Bundestag.

Erschienen im DUDEN Verlag, 2020

Oliver Ottisch: Tierisches Versagen – Hunde-Cartoon-Kalender 2021

Laut Wikipedia ist ein Cartoon eine komische und/oder satirische Geschichte in einem Bild. So ist auch meine Definition.

Oliver Ottischs Hunde-Cartoon-Kalender beinhaltet überwiegend Cartoons, die dieser Auffassung folgend eine Geschichte erzählen, in dem ein Hund die tragende Rolle spielt. Mit Twitter und Facebook sind zwei Themen aufgenommen, die aktuell sind und satirisch gelungen dargestellt werden. Andere sind wie neu verpackte olle Kamellen, jedoch auch mit feinem Humor gezeichnet. Zwei weitere können je nach Geschmack als geschmacklos oder Gourmethäppchen Ottischscher Cartoonkunst gewertet werden.

Von meiner Idee, nach dieser kleinen Besprechung, den Kalender meiner Hunde begeisterten 12jährigen Enkelin zu schenken, habe ich mich nach Betrachtung dieser beiden verabschiedet. Bleibt noch das Titelblatt zu erwähnen, das sich im Inneren als August-Kalenderblatt wiederfindet. Da frage ich mich, wo der Witz ist. Ich will dabei nicht auf den Zug „Diskriminierung“ aufspringen. Als Bewertung nenne ich diesen Cartoon einfach „schwach“. Aber auch das ist Geschmackssache.

In der Summe sind neun Monate Cartoons zu betrachten, die ich mir gern anschauen würde, zwei Monate lang müsste ich mir beim Schauen auf das Datum den Cartoon versuchen auszublenden. Und im August? Naja, da hätte Oliver Ottisch etwas Besseres einfallen können.

– – – O – – –

Der Kalender ist in Holzbaum Verlag, Wien, erschienen.

Zu Besuch bei Till Eulenspiegel

Vorrede

Manche Leute behaupten, ich sei ein Seelenverwandter von Till Eulenspiegel, der bekannt ist durch die Streiche, die er im 14. Jahrhundert seinen Mitmenschen gespielt hat. Die Seelenverwandtschaft weise ich überwiegend zurück, da ich nie und nimmer solch derbe, zuweilen bösartige und auch grausame Streiche gespielt habe.

Zwar mache ich gern mal ein Späßchen, spiele gar ab und zu Freunden und Bekannten einen Streich, jedoch stets unter Einhaltung der guten Sitten, der Gesetze, insbesondere des Tierschutzgesetzes.

Gleichwohl ist meine Nähe zu Till Eulenspiegel aus anderen Gründen nicht von der Hand zu weisen, habe ich doch unweit von dessen Geburtsort Kneitlingen – weniger als einen Halbtagesritt von dem kleinen Dorf entfernt – das Licht der Welt, das des Braunschweiger Landes, erblickt. Zudem wurde ich dreimal getauft, wenn auch nicht an einem Tag – aber das ist eine andere Geschichte.

Ebenso wie der Schalk bin ich in der Welt herumgekommen, und wenn ich nun meine alte Heimat besuche, geziemt es sich, bei Verwandtschaft vorbei zu schauen.

Die Historie sagt, wie ich meinen Seelenverwandten im Till Eulenspiegel-Museum besuchte

Unlängst fasste ich den Entschluss, wieder einmal an den Rand des Waldes, Elm genannt, zu meinem Geburtsort zu reisen, um mich an meine Kindheit und Jugend zu erinnern, sowie wie einst durch den Wald zu streifen und zudem Till in seiner Behausung in Schöppenstedt zu besuchen. Das Museum, architektonisch einer Narrenkappe nachempfunden, ist leicht zu finden, da Schilder innerorts den Weg zeigen – mit Navi heute sowieso kein Problem. Im Museum selbst trifft man ihn zigtausendfach an und schon davor begrüßt er mich.

Drinnen erfolgt die Begrüßung an der Kasse durch freundliches Personal. Bei mir war es Alexander Schwarz, sicherlich einer der kompetentesten Eulenspiegel-Kenner, der während des Besuchs auskunftsfreudig zur Stelle war, wenn sich eine Frage ergab oder eine Erklärung zum „Leben und Wirken“ von Till Eulenspiegel, auch eine Erläuterung bestimmter Exponate wünschenswert erschien.

Die meisten der Exponate lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen:

Diverse Ausgaben des Volksbuchs aus verschiedenen Zeiten und in erstaunlich vielen Sprachen. Die bedeutendsten sich gut präsentiert. Die überwiegende Anzahl der etwa 3000 Ausgaben und Bänden der Sekundärliteratur ist in Bücherschränken untergebracht, entzücken dort durch ihre Rücken.

Bilder auf Papier, Leinwand und anderen Materialien als Zeichnungen, Drucke, Malereien, Kreide-Chromolithographien. Sie zeigen, wie die Künstler sich Eulenspiegel vorgestellt haben oder ihn sehen.

Ebenso die Skulpturen und Plastiken aus verschiedenen Materialien. Von einfacher Holzschnitzerarbeit bis zu hochwertigen Darstellungen von Till aus handbemaltem Meißener Porzellan sowie Bronzestatuetten.

Extra und besonders zu erwähnen ist die Sammlung von Gerhard Marek geschaffenen Bronzen, die von fast jeder Historie eine Szene zeigen.

Darstellung der zweiten Historie, Bronze von Gerhard Marek
Wie Eulenspiegel Eulen und Meerkatzen backte, Bronze von Gerhard Marek

In den Türrahmen und an Wänden sind zudem viele Geschichten um das Leben und die Zeit Eulenspiegels sowie Beschreibungen zu den Exponaten zu lesen.

Äußerst interessant: Schriften und Zitate mit Äußerungen aus der Zeit, als das Buch erschien, von Zeitgenossen wie Martin Luther mit sehr kritischen Aussagen über den Inhalt einiger Historien oder dieses Volksbuchs generell.

Am Ende glaube ich, meinen Seelenverwandten besser als je zuvor zu verstehen. Obwohl – um ihn herum gibt es noch so viele Geheimnisse. Vieles aus seinem „Leben“ liegt noch im Dunkel und wird es wohl auch immer bleiben. Aber gleich, ob wie ich mich der Figur des Schalks nähere, im Glauben ob alle Streiche stattgefunden und ERMAN B diese nur aufgeschrieben hätte, oder ich dieser Wahrheit gegenüber kritisch bin: Till Eulenspiegel fasziniert heute wie vor 500 Jahren, mich wie auch viele andere. Das Till Eulenspiegel-Museum trägt dazu bei.

Zufrieden verabschiede ich mich von Till und dem Museumsteam.

Hier der Link zur Website des Museums:

Willkommen im Till Eulenspiegel-Museum

Zum Schluss noch eine Illustration von Till am polnischen Königshof zur Historie „Eulenspiegel übertrifft den Hofnarrn des Königs von Polen“. (Lies dazu den Kommentar von Alexander Schwarz):