Geschichten, die uns die Fährten der Tiere erzählen: ULRIKE FOKKEN/ STEFANIE ARGOW – SPUREN LESEN

Tiere hinterlassen Spuren. Nicht nur Fährten, auch Fellreste, Losungen, verschiedene Arten von Wildverbiss. Aus Federn geschlagener Vögel ist zu erkennen, wer die Beute verzehrt hat, aber auch wo welche Vogelarten vorkommen. Unterschiedliche Größe, Konsistenz und Inhalt von Gewöllen lassen auf Jäger und Beute schließen. Spuren gibt es im eigenen Garten, in der Stadt, im Wald, auf dem Acker, an und in Flüssen.

Ulrike Fokken und Stefanie Argow erzählen in diesem Buch, wie sie zum Spuren Lesen gekommen sind, welche Schlüsse sie aus den verschiedenen Entdeckungen an den unterschiedlichen Orten ziehen. Sie öffnen uns die Augen, aber auch Ohren und Nase. Nun legt nicht jeder von uns Wert, am beißenden Kot zu riechen und festzustellen, dass an diesem Platz ein Fuchs lebt, wie es Stefanie Argow gelingt. Fährten hingegen können uns Aufschluss darüber geben, wer sich in unserem Garten herumtreibt oder dort, wo wir unterwegs sind.

Dabei berichten die beiden Autorinnen von ihren Erlebnissen und Erkenntnissen, die mir zum Teil bis jetzt unvorstellbar erschienen. So wusste ich nicht, dass Füchse und Kaninchen den gleichen Bau bewohnen können, oder woran erkannt werden kann, ob ein Bau von einem Fuchs oder einem Dachs bewohnt wird. Selbstverständlich nimmt das Fährten Lesen einen bedeutenden Teil des Buches ein.

Aber als „alter Fährtenleser“, der in diese Kunst vom Vater vor vielen Jahren eingewiesen wurde und in der Kindheit jede Menge Gewölle von Greifvögeln und Eulen „seziert“ hat – sich immer wieder gefreut hat, wenn er einen Schädel oder andere definierbare Skelettteile heraus präparieren konnte – war mir gar nicht so bewusst, dass auch viele andere Tiere Unverdauliches als Speiballen auswürgen. So zum Beispiel Rotkehlchen, die sich auf diese Weise vom Chitinpanzer der Insekten trennen, die sie verspeist haben.

So hat das Buch für jeden Naturfreund etwas zu bieten: Von einfachen Fuss- und Hufabdrücken bis hin zu komplexen Systemen wie denen, die zugleich auf Täter und Opfer – Jäger und Beute – schließen lassen. Wer dieses Buch in die Hand bekommt, wird beim nächsten Gang in den Garten, beim Spaziergang oder einer Wanderung nach Spuren suchen. Und er wird sie finden.

Zum Fährten lesen für Einsteiger haben Stefanie Argow und die Illustratorin Iris Luckhaus am Ende des Buches Abdrücke in Originalgröße von 20 Tieren dargestellt und darauf hingewiesen, dass durch Größe, die Tiefe des Abdrucks und anderen Eigenheiten wie die Gangart eine große Anzahl von Tierarten identifiziert werden können.

Eine unglaubliche Vielfalt von Spuren sind von Ulrike Fokken und Stefanie Argow aufgespürt und interpretiert. Beide sind international zertifizierte und anerkannte Fährtenleserinnen. Bessere Lehrerinnen, die über das Spuren Lesen unterrichten, kann ich mir nicht vorstellen. Dabei ist Spuren lesen kein Lehrbuch sondern mehr ein Appetizer, der nicht nur Lust macht auf eigenes Spuren lesen, sondern auch eine Sucht darauf auslösen kann.

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Ulirke Fokken und Stefanie Argow: Spuren lesen, mit Illustrationen von Florian Flick und Iris Luckhaus, erschienen bei QUADRIGA (2020)

ESTHER GONSTALLA: DAS WALDBUCH – Alles, was man wissen muss, in 50 Grafiken

Dem Wald geht es schlecht. Das ist in einem Satz zusammengefasst, was der aktuelle deutsche Waldzustandsbericht beschreibt. Die Ursachen sind bekannt: Dürre, Stürme, Schädlinge. Menschliche Einflüsse wie Abholzungen kommen hinzu.

Zur gleichen Zeit mit dem Erscheinen des Berichts veröffentlicht der oekom verlag DAS WALDBUCH von Esther Gonstalla, in dem beschrieben wird, welche Bedeutung der Wald hat – nicht nur für Deutschland sondern für unseren gesamten Planeten. Visualisiert wird dies durch 50 doppelseitige Grafiken, überwiegend mit hohem, aber verständlichen Informationsgehalt, die in fünf Kapiteln präsentiert werden:

  • Ökosystem Wald
  • Wald und Klima
  • Wald und Mensch
  • Wälder in Gefahr
  • Waldschutz

Im Vorwort weist Professor Hansjörg Küster zunächst auf die Bedeutung des Waldes hin, sowohl für das globale Ökosystem als auch für Klima und Menschen, wobei Küster die Verknüpfung dieser drei Schlagworte deutlich macht sowie die Gefahren, die entstehen, wenn diese aus dem Gleichgewicht kommen.

Was der Wald bedeutet – als Klimaschützer durch CO₂-Absorption und Sauerstoffproduzent, Lebensraum für Tiere und Pflanzen und damit als Nahrungsmittellieferant, als Wasserspeicher, Boden- und Küstenschützer – wird hier beschrieben. Und sein Nutzen für uns Menschen: Lebensraum und Arbeitsort, Lieferant für Energie, Rohstoffe, Nahrung, der Wald als Erholungsoase sowie Ort der Spiritualität.

Im Kapitel Ökosystem Wald werden die unterschiedlichen Wälder der Erde beschrieben, die Vielfalt der Bäume, das „Leben eines Baumes“ mit dessen Nahrungsaufnahme, den biochemischen Prozessen und allem, was dazu gehört, inklusive der Fortpflanzung. Höchst interessant ist die Doppelseite, auf der die „Kommunikation“ der Bäume dargestellt wird. Es folgen weitere Informationen wie die über die Bedeutung der Wälder für den Wasserkreislauf auf der Erde, die Bedeutung von Totholz und die Gefahr durch Waldbrände und deren Folgen.

Mit dem Thema Wald und Klima haben sich die meisten Leser eines solchen Buches bereits beschäftigt. Hier wird zu Beginn des Kapitels noch einmal die Klimakrise kurz erklärt. Ein guter Einstieg, um herauszustellen, was der Wald für das Klima bedeutet und andersherum der Klimawandel für Gefahren für den Wald darstellt. Am Schluss des Kapitels wird die Frage aufgeworfen und zu beantworten versucht, ob Aufforstung als Klimaschutzstrategie dienen, und wie das Waldmanagement in dieser Krise wirken kann.

Forstwirtschaft mit den Konflikten Wald – Tier – Mensch sind Thema im Kapitel Wald und Mensch. Ebenso der Tourismus in Nationalparks, der Erholungswert, der Wald zur Verbesserung der Lebenssituation in ärmeren Regionen , als Lieferant von Nahrung, Energie, Arbeitsplatz und geschützter Lebensraum.

Dass Wälder in Gefahr sind, ist ebenfalls kein Geheimnis. Abholzungen unterschiedlicher Art mit deren verheerenden Folgen haben viele Ursachen, ob es in Südostasien, Brasilien geschieht oder auch quasi „vor Ort“. Die Folgen für das Klima und damit auch für uns sind gravierend, wenn der Wald nicht schnell und ausreichend geschützt wird.

Im Kapitel Waldschutz werden 10 Punkte genannt, die – falls staatenübergreidfende Kooperationen entstehen oder intensiviert werden – die schlimmsten Folgen vermeiden können. Dazu gehört ein verändertes Konsumverhalten, wachsende Schutzgebiete mit der Regeneration der Wälder sowie eine nachhaltige Forstwirtschaft, besonders aber das Eindämmen illegaler Abholzungen.

Das alles wird in Worten und übersichtlichen Grafiken sachlich und fernab jeder romantischen Waldpoetik erklärt. Ein Übersichtswerk über die Gefahren die dem Wald, dem Klima und allen Lebewesen drohen. Dargestellt am Ist-Zustand mit der Sicht auf die Risiken, wenn wir Menschen nicht vehement und schnell eingreifen. Sollte uns das jedoch gelingen, zeigt das Buch Chancen für das magische Dreieck Wald – Klima – Mensch und alle anderen Lebensarten auf.

Esther Gonstalla hat dieses Buch aus zahlreichen Quellen der Wissenschaft zusammengestellt, die in einem Verzeichnis am Ende des Buches für jede einzelne Grafik aufgeführt sind. Zahlen, Fakten und Aspekte, die für die Betrachtung des Waldes bedeutend sind, die es uns ermöglichen den wahren Zustand der Wälder zu erkennen.

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ESTHER GONSTALLA: DAS WALDBUCH – Alles, was man wissen muss, in 50 Grafiken, oekom verlag (2021)

Saisonbeginn

Ohne direkte Sonneneinstrahlung in diesem Teil des Gartens dauert es immer etwas länger, bis die ersten „neuen“ Blüten des Jahres erscheinen. Die Christrosen haben durch den ausgiebigen Regen Ende Januar stark gelitten, Blüten und Stängel sind verfault. Die Knospen der sonst fast schneeweißen Aspirin sind nach dem Frost der letzten Woche endgültig „Schnee von gestern“. Seit Samstag (20. Februar) sitzen wir täglich mittags auf der Terrasse – heute bis 17 Uhr, dem Sonnenuntergang an diesem Platz -, schauen auf das Aufblühen, erfreuen uns am Gezwitscher der Meisen und dem Tschilpen der Spatzen um uns herum.

Wenn das man gut geht! Einen Märzwinter brauchen wir nicht.

Beate Frenkel: Pillen – Heiler – Globuli. Das Geschäft mit der Alternativmedizin

Beate Frenkel widmet sich in diesem Buch hauptsächlich dem Geschäft mit der Alternativmedizin, das nicht nur von denen getragen wird, die davon direkt profitieren, die diese Therapien und „Therapien“ anbieten, Produkte dafür herstellen oder durch Seminare Gauklern gleich esoterische Heilversprechen geben.

Auch Krankenkassen, die sich durch Übernahme der Kosten für die Behandlung mit Globuli und durch andere Methoden die Bedürfnisse eines Teils ihrer Mitglieder befriedigen, werden thematisiert. Ebenso wird das Gebaren der pharmazeutischen Industrie kritisch betrachtet – und da gibt es ja neben dem Streben nach Profit, dem Verschleiern von Nebenwirkungen – sowie Verhalten, die zur Zeit der Veröffentlichung noch gar nicht aktuell waren – wie die Verfügbarkeit neuer Impfsstoffe.

Gesundheiler und Gläubige. Auch wenn der wissenschaftlich Beweis für den Erfolg von Diagnostik oder Therapie fehlt, stellen Seminarteilnehmer Dr. Klinghardts Verheißungen zur Behandlung von COVID-19 mittels Muskeltests und Knoblauchkapseln kaum infrage. Doch es sind nicht nur derart extreme Heilversprechen, die hier angesprochen werden. Es sind vor allem die scheinbar alltäglichen Methoden, die von homöopathischen Ärzten und Heilpraktikern alternativ zur klassischen Medizin propagiert und praktiziert werden.

Die kritische Betrachtungsweise ist daher angeraten und das ist es, was Beate Frenkel hier praktiziert. Das gilt auch bei Impfverweigeren, die möglicherweise durch ein persönliches Einzelschicksal Leid erfahren haben und noch erfahren, besonders aber die, die durch Aufbauschen trauriger Einzelfälle unter Millionen Geimpfter, durch Falschinformation, Gerüchte oder aus anderen oder persönlichen Gründen sich Impfungen widersetzen, oder gar ihren Kindern eine Impfung verwehren.

Aber Covid-19 ist nur das aktuelle Thema. Die Empfehlung, alle Kinder sollten sich glutenfrei ernähren, Kamelmilch sei die einzige Ausnahme, betrachte ich nur als einen „exotischen Auswuchs“. Chlorbleichlauge als Heilmittel gegen Krebs, Autismus und Alzheimer hilft jetzt auch gegen das Coronavirus!? Beate Frenkel führt eine große Anzahl weiterer Beispiele von obskuren Methode für die alternative Behandlung und die Vorgehensweise an.

Ein Buch das helfen kann das Geschäft mit Pillen, Globuli und den Versprechungen der Heiler besser zu verstehen und bewerten zu können.

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Beate Frenkel: Pillen – Heiler – Globuli, erschienen im Hirzel Verlag (2020)

Saharasand – Gruß aus der Wüste

Vorige Woche war der Himmel unnatürlich gelb eingefärbt. Nicht von der Sonne, sondern von feinem Saharasand. Dann hat es geschneit, nun getaut. Zurückgeblieben sind auf der Balkonbrüstung und auf dem Terrassendach ca 1cm breite Linien als Gruß aus der Wüste.

Unspektakulär, aber erwähnenswert

Fotos vom 10.02.2021, Wiesbaden

Genetisch oder erlernt, das ist hier die Frage — Peter-René Becker: WIE TIERE HÄMMERN, BOHREN, STREICHEN

Wie kommen Tiere dazu, Werkzeuge zu benutzen und zu welchem Zweck? Antworten darauf finden sich in großer Zahl in diesem Buch, dessen Vorgänger bereits 1993 erschienen ist und nun vielfältig ergänzt wurde. Zunächst erklärt Peter-René Becker wie er zu dem Wissen, das er hier niedergeschrieben hat, gekommen ist: Grundlage bilden 2800 Publikationen von Forschungsarbeiten und Originalbeobachtungen. Sie umfassen Berichte über viele Tierarten, von Primaten bis Wespenarten, eine riesige Bandbreite von allem was da „fleucht und kreucht“. Ausgenommen sind Haustiere und Tiere, die in der Gefangenschaft durch Dressur oder Erlernen den Umgang mit Werkzeugen beherrschen.

Bevor Becker in diversen Kapiteln über die Fähigkeiten der Tiere eingeht, wird der Begriff „Werkzeuge“ als grundsätzlich körperfremde Gegenstände, die von einem Tier zur Erlangung eines kurzfristigen Ziels eingesetzt werdendefiniert.

Das Universalwerkzeug in der Tierwelt ist der Hammer, in vielfacher Weise benutzt zum Öffnen von Früchten, Eiern oder Schalentieren, aber auch – so nutzt die Sandwespe (Ammophila hungarica) einen kleinen Stein – um ihren Nesteingang zu zu klopfen, damit der Nachwuchs geschützt ist. Bei der Sandwespe, die einzeln lebt und die Nutzung des Steinchen nicht von Artgenossen erlernen kann, zeigt sich, wie der Einsatz eines Werkzeugs genetisch vorgegeben sein kann. Bei freilebenden Primaten wird dagegen häufig beobachtet, dass die Nutzung von Werkzeugen erlernt wird. Über verschiedene freilebende Affenarten wird hier umfangreich berichtet, auch wie sie mit einem Stock Termiten angeln oder mit Zweigen fischen.

Zweige oder Stöcke werden in der Tierwelt aber auch genutzt, um Honig zu stippen oder sie mit Wasser zu benetzen, das nicht für ihre Benutzer erreichbar ist und sie dann abzulecken. Auf der Suche nach Nahrung werden Köder eingesetzt. Es gibt Tierarten, besonders Vögel, die aufdringliche Beobachter oder Feinde mit Wurfgeschossen versuchen zu vertreiben und sich oder ihren Nachwuchs so schützen. Im Kampf um ein Weibchen wurden Amazonasdelfine beobachtet, wie sie Stöcke, Zweige oder Grasbüschel von der Wasseroberfläche ins Maul nahmen und damit ihren Nebenbuhler bewarfen.

So werden hier zahlreiche Tierarten beschrieben, die aus unterschiedlichen Gründen große und kleine Werkzeuge benutzen – weitaus mehr als in dieser kurzen Besprechung erwähnt. Eine großartige und umfangreiche Auflistung aus Publikationen, gut zusammengestellt, geordnet und verständlich dargestellt.

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Peter-René Becker: Wie Tiere hämmern, bohren, streichen, erschienen im S.Hirzel Verlag (2021)

Aufwendiger, großformatiger Fotoband vom Theater hinter der Bühne. SIMON ANNAND: TIME TO ACT

Die Untertitel der deutschen und der englischen Ausgabe fassen zusammen, welche Art von Fotografien in diesem Buch zu betrachten sind:

Einzigartige Fotografien erstklassiger Schauspieler in weltberühmten Theater – an intimate photographic portrait of actors backstage

Seit einigen Jahrzehnten hat Simon Annand Akteure vor ihren Auftritten in – vorwiegend – Londoner Theatern fotografiert. Fotos berühmter Stars wie Cate Blanchett, Daniel Craig und Benedict Cumberbatch ebenso wie zahlreicher, in Deutschland nicht so bekannten Schauspielerinnen und Schauspieler werden in ihren Ankleideräumen und auf dem Weg zur Bühne gezeigt.

Die Aufnahmen zeigen, wie sich die Menschen während der letzten halben Stunde vor ihrem Auftritt verhalten, für den sie in eine andere Haut schlüpfen, einen anderen Charakter als den ihren darstellen werden. So unterschiedlich wie sie selbst, so unterschiedlich ist ihr Verhalten. Diese Stimmungen beim Schminken, Umkleiden und Warten werden in vier Kapiteln gezeigt:

Half Hour Call

15 Minute Call

5 Minute Call

Curtain up

Es ist erstaunlich, wie vielfältig die bewussten Posen und das Verhalten in scheinbar unbeobachteten Momenten sein kann. Annand hat dies in einer Fülle in Einzelporträits in allen mögliche Ausschnitten sowie Gruppenportraits zusammengestellt, jeweils mit einer kurzen Beschreibung mit Name des oder der Dargestellten, Rolle oder Stück, Ort und Jahr.

Ein Buch für Theaterfreunde, um die Fotos der kleinen und großen Stars zu bewundern. Besonders eins für Fotografen, die an den Fotos erkennen können, wie Porträts optimal gestaltet werden – und für viele andere, die nur einmal schöne Aufnahmen aus der Welt des Theaters hinter der Bühne anschauen möchten.

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Simon Annand: Time to Act: Einzigartige Fotografien, Erstklassige Schauspieler. Weltberühmte Theater

Deutschsprachige Ausgabe, erschienen 2020 im Verlag Salz und Silber, mit einem Vorwort von Cate Blanchett und einer Einleitung von Victoria Broackes.

Originalausgabe: Time to Act – An intimate photographic portrait of actors backstage (2020), im gleichen Verlag erschienen

Zwischen Hundstagen und Raunächten: WETTER von Michaela Vieser

Regen ist scheinbar trivial, Blitz und Donner ein komplexes Phänomen, Raunächte haben Mystisches an sich.

Wetter bestimmt unser Leben: wir schützen uns durch Kleidung, durch Häuser, wählen den Verhältnissen entsprechend Verkehrsmittel. Unsere Stimmungslage hängt häufig davon ab. Der Föhn setzt uns zu, wir erfreuen uns an Morgen- und Abendrot, am Regenbogen und haben Respekt oder Ängste vor Gewittern.

Physikalische, chemische und andere, den Naturwissenschaften zuzuordnende Ereignisse, treffen auf unterschiedliche Wahrnehmungen, die psychologisch erklärt werden können – oder auch nicht. So beschäftigen sich Wissenschaftler vieler Disziplinen mit dem Wetter, ebenso wie die großen und auch kleinen Dichter und Denker und jeder von uns.

Michaela Vieser berichtet in diesem Buch über die unterschiedlichen Aspekte: das Wissen der Fachleute, die Darstellung des Wetters und den daraus resultierenden Stimmungen in der Literatur sowie die Empfindungen, die wir als Laien durch das Wetter und seine Erscheinungen verspüren. Somit ist Wetter kein trockenes Sachbuch der Meteorologie. Es ist vielmehr ein Anreiz, sich mit den unterschiedlichen Phänomenen des Wetters zu beschäftigen, ein besseres Gespür dafür zu bekommen, was Wetter ist und was es bedeutet für uns in der Zeit des Klimawandels.

In 30 Kapiteln „lädt dieses Buch zu Streifzügen durch die faszinierende Kulturgeschichte des Wetters ein“. Neben den bereits aufgeführten Erscheinungen und Merkwürdigkeiten finden sich Kapitel über Verwitterung, Polarlicht, selbstverständlich über den Regenbogen, aber auch Hundstage und Altweibersommer. Ebenso ist das Kapitel über Smalltalk enthalten, wobei ich nur teilweise die These der Autorin teile, dass Wetter der Eisbrecher unter den Small-Talk-Themen teile. Für mich ist dieses Thema zur Eröffnung eines Gesprächs das banalste und oftmals oberflächlichste. Aber abgesehen von meiner Meinung bietet auch dieses Kapitel interessante Einblick in unser Wesen und was uns häufig beschäftigt: das Wetter. Vieles, was wir über Wettererscheinungen wissen, aber intuitiv oder instinktiv darauf reagieren, fasst Michaela Vieser im Kapitel „Stilles Wissen“ zusammen.

Damit wird das Buch zu einem Mix von naturwissenschaftlichem Wissen, Magischem, Mystischem und Selbst und Unverständlichem.

Ein Buch zum Verstehen vom Wetter und unserem Verhältnis dazu.

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Michaela Vieser: Wetter – Zwischen Hundstagen und Raunächten, erschienen bei DUDEN (2020)