Zu Besuch bei Till Eulenspiegel

Vorrede

Manche Leute behaupten, ich sei ein Seelenverwandter von Till Eulenspiegel, der bekannt ist durch die Streiche, die er im 14. Jahrhundert seinen Mitmenschen gespielt hat. Die Seelenverwandtschaft weise ich überwiegend zurück, da ich nie und nimmer solch derbe, zuweilen bösartige und auch grausame Streiche gespielt habe.

Zwar mache ich gern mal ein Späßchen, spiele gar ab und zu Freunden und Bekannten einen Streich, jedoch stets unter Einhaltung der guten Sitten, der Gesetze, insbesondere des Tierschutzgesetzes.

Gleichwohl ist meine Nähe zu Till Eulenspiegel aus anderen Gründen nicht von der Hand zu weisen, habe ich doch unweit von dessen Geburtsort Kneitlingen – weniger als einen Halbtagesritt von dem kleinen Dorf entfernt – das Licht der Welt, das des Braunschweiger Landes, erblickt. Zudem wurde ich dreimal getauft, wenn auch nicht an einem Tag – aber das ist eine andere Geschichte.

Ebenso wie der Schalk bin ich in der Welt herumgekommen, und wenn ich nun meine alte Heimat besuche, geziemt es sich, bei Verwandtschaft vorbei zu schauen.

Die Historie sagt, wie ich meinen Seelenverwandten im Till Eulenspiegel-Museum besuchte

Unlängst fasste ich den Entschluss, wieder einmal an den Rand des Waldes, Elm genannt, zu meinem Geburtsort zu reisen, um mich an meine Kindheit und Jugend zu erinnern, sowie wie einst durch den Wald zu streifen und zudem Till in seiner Behausung in Schöppenstedt zu besuchen. Das Museum, architektonisch einer Narrenkappe nachempfunden, ist leicht zu finden, da Schilder innerorts den Weg zeigen – mit Navi heute sowieso kein Problem. Im Museum selbst trifft man ihn zigtausendfach an und schon davor begrüßt er mich.

Drinnen erfolgt die Begrüßung an der Kasse durch freundliches Personal. Bei mir war es Alexander Schwarz, sicherlich einer der kompetentesten Eulenspiegel-Kenner, der während des Besuchs auskunftsfreudig zur Stelle war, wenn sich eine Frage ergab oder eine Erklärung zum „Leben und Wirken“ von Till Eulenspiegel, auch eine Erläuterung bestimmter Exponate wünschenswert erschien.

Die meisten der Exponate lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen:

Diverse Ausgaben des Volksbuchs aus verschiedenen Zeiten und in erstaunlich vielen Sprachen. Die bedeutendsten sich gut präsentiert. Die überwiegende Anzahl der etwa 3000 Ausgaben und Bänden der Sekundärliteratur ist in Bücherschränken untergebracht, entzücken dort durch ihre Rücken.

Bilder auf Papier, Leinwand und anderen Materialien als Zeichnungen, Drucke, Malereien, Kreide-Chromolithographien. Sie zeigen, wie die Künstler sich Eulenspiegel vorgestellt haben oder ihn sehen.

Ebenso die Skulpturen und Plastiken aus verschiedenen Materialien. Von einfacher Holzschnitzerarbeit bis zu hochwertigen Darstellungen von Till aus handbemaltem Meißener Porzellan sowie Bronzestatuetten.

Extra und besonders zu erwähnen ist die Sammlung von Gerhard Marek geschaffenen Bronzen, die von fast jeder Historie eine Szene zeigen.

Darstellung der zweiten Historie, Bronze von Gerhard Marek
Wie Eulenspiegel Eulen und Meerkatzen backte, Bronze von Gerhard Marek

In den Türrahmen und an Wänden sind zudem viele Geschichten um das Leben und die Zeit Eulenspiegels sowie Beschreibungen zu den Exponaten zu lesen.

Äußerst interessant: Schriften und Zitate mit Äußerungen aus der Zeit, als das Buch erschien, von Zeitgenossen wie Martin Luther mit sehr kritischen Aussagen über den Inhalt einiger Historien oder dieses Volksbuchs generell.

Am Ende glaube ich, meinen Seelenverwandten besser als je zuvor zu verstehen. Obwohl – um ihn herum gibt es noch so viele Geheimnisse. Vieles aus seinem „Leben“ liegt noch im Dunkel und wird es wohl auch immer bleiben. Aber gleich, ob wie ich mich der Figur des Schalks nähere, im Glauben ob alle Streiche stattgefunden und ERMAN B diese nur aufgeschrieben hätte, oder ich dieser Wahrheit gegenüber kritisch bin: Till Eulenspiegel fasziniert heute wie vor 500 Jahren, mich wie auch viele andere. Das Till Eulenspiegel-Museum trägt dazu bei.

Zufrieden verabschiede ich mich von Till und dem Museumsteam.

Hier der Link zur Website des Museums:

Willkommen im Till Eulenspiegel-Museum

Zum Schluss noch eine Illustration von Till am polnischen Königshof zur Historie „Eulenspiegel übertrifft den Hofnarrn des Königs von Polen“. (Lies dazu den Kommentar von Alexander Schwarz):

Kleines Kuriositätenkabinett der deutschen Sprache

Schon das zweite Wort des Titels zeigt, wie seltsam die deutsche Sprache mit derartigen Wortschöpfungen sein kann. Mark Twain hat die Schwierigkeiten beim Erlernen unserer Muttersprache mit Skurrilitäten, Absurditäten und Widersprüchlichkeiten vor über 120 Jahren beschrieben – und bis heute ist das so geblieben. Es sind sogar neue Kuriositäten hinzugekommen, so die Scheinanglizismen wie Handy als pseudoenglisches Wort für mobile phone und andere.

Solche Wörter und Wortschöpfungen werden hier aufgeführt, dazu gehören berühmte Pleoplasmen wie Alter Greis, beschönigende oder verhüllende Umschreibungen wie sich frisch machen für auf die Toilette gehen. Beispiele für Euphemismen sind zahlreich, ebenso die Auflistungen von Homografen – einem Begriff, den ich bisher gar nicht kannte, Beispiele dagegen unter dem Begriff Teekesselchen aufgeführt hätte.

So reihen sich Seite für Seite weit über 100 Kuriositäten aneinander, wobei einige durchaus unter die Rubrik „Überflüssiges Wissen“ fallen wie die Häufigkeit einzelner Buchstaben in verschiedenen Sprachen. Auch wird es im Text teilweise nicht so genau genommen mit dem Titel des Buches, denn unter den Pangrammen werden neben drei deutschsprachige auch zwei in englischer Sprache und ein französisches aufgeführt.

Eine bunte, überwiegend wirklich kuriose und lesenswerte Mischung deutscher Sprache, zusammengestellt vom DUDEN Verlag mit schönsten Wörtern, mausetoten Wörtern, längsten Wörtern, Kofferwörtern und so vielen Kuriositäten wie Pluralformen und Deklinationen – und seltsamen Buchstaben.

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Kleines Kuriositätenkabinett der deutschen Sprache, herausgegeben vom DUDEN Verlag, 2020

Riddagshausen, ein Ausflug in die Vergangenheit

Viele Jahre bin ich fast täglich mit dem Fahrrad vorbei und hindurch gefahren, habe es an Wochenenden mit ausgedehnten Spaziergängen besucht: Das Örtchen Riddagshausen – 1934 zu Braunschweig eingemeindet – mit der herrlichen Teichlandschaft, dem ehemaligen Zisterzienserkloster und der angrenzenden Buchhorst – teils Naturschutzgebiet, teils Landschaftsschutzgebiet.

Immer wieder hat es mich nach meinem Wegzug aus Braunschweig hier hergezogen. Einige Jahrzehnte während Familienbesuchen, jetzt nur für ein paar Tage, um wieder einmal auf alten Pfaden in und um Braunschweig zu spazieren und zu wandern. Zunächst rund um den Kreuzteich mit beginnender Laubfärbung und den noch nicht ausgewachsenen Höckerschwänen im 1. Federkleid.

Danach zum Besuch des ehemaligen Klosters, hindurch durch das Torhaus mit der Frauenkapelle auf den Klosterhof.

Hier der Blick zurück zum Torhaus.

Die Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert ist eine der ältesten gotischen Kirchen in Deutschland. Vor oder nach dem Besuch der Kirche, die täglich geöffnet ist, empfiehlt es sich, eine kleine Pause im Klostergarten zu machen, aus dem sich ein guter Blick auf die Kirche bietet.

Hier nur ein kleiner Blick in das Innere: In der hellen Kirche fällt die „zeitgemäße Coronabestuhlung“ auf, hier vor der Kanzel aus dem Jahr 1622, von der ein Teil jedoch aus Nachbildungen des Originals besteht.

Die Last des Kanzelkorbs wird von Moses getragen, der in der rechten Hand die Gesetzestafeln hält, auf dem Schalldeckel ist die Skulptur des auferstandenen Christus zu sehen.

Es war eine große Freude, wieder einmal hier zu sein.

Groß oder gemein, eine Heidelibelle

Helle Streifen an den Beinen weisen auf die Große oder die Gemeine Heidelibelle hin.

Der Hinterleib deutlich verdickt, so wird die Gemeine (Sympetrum vulgatum) beschrieben. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist der schwarze Strich zwischen Augen und Stirn, der bei der Großen Heidelibelle (Sympetrum striolatum) oberhalb der Stirn endet.

Den Strich sehe ich nicht. Deshalb belasse ich es bei „Heidelibelle“, die sich im Garten ein schönes Plätzchen ausgesucht hatte. Dort blieb sie lange Zeit sitzen, ließ sich von mir nicht stören. Offenbar war „der Akku leer“.

Fotos vom 09.09.2020 – Wiesbaden-Nordenstadt (Hessen)

Link zur Bestimmung und Unterscheidung von Libellen:

https://libellenwissen.de/

https://libellen-bayrisch-schwaben.jimdofree.com/

Gut getarnt

Das Große Heupferd ist zwischen den Blättern der Clematis schwer zu erkennen. Nur durch seine vorherige Bewegung wurde ich auf den Grünling aufmerksam.

Durch die Flügel der Libelle scheint das Blatt des Farns. Lediglich Körper und Kopf sind bei genauem Hinsehen zu erkennen, unterscheiden sich jedoch nicht wesentlich von einem vertrockneten Wedel der Pflanze.

Same procedure as – almost – every year

Marmelade kochen vom Roten Weinbergpfirsich

Seit 2014 dankt uns das krüppelige Bäumchen fast jedes Jahr mit einer für die Größe üppigen Ernte. Es war das letzte seiner Art im Gartenmarkt, sah wirklich nicht schön aus, krumm gewachsen. Wir hatten Mitleid mit ihm und nahmen es mit. In der hinteren Ecke des Gartens fanden wir noch ein kleines Plätzchen für den Roten Weinbergpfirsich.

Nach der ersten Ernte trug der Baum fast jedes Jahr mit Ausnahme von 2016 und inzwischen reifen so viele Früchte an ihm, dass ich jedes Jahr mehrmals Marmelade davon koche. Das nenne ich Dankbarkeit.

Das γ auf den Vorderflügeln

Mit ein wenig Fantasie zu erkennen: der 3. Buchstabe des griechischen Alphabets auf den Vorderflügeln der Gammaeule (Autographa gamma).

20200812_101044Aufgescheucht hatte ich sie aus Versehen aus einem Lavendelstrauch, wo sie sich sehr fotogen platziert hatte. Auf dem braunen Holz der Tischplatte wirkt sie nicht so wie auf dem milden Grün des Lavendels, umgeben von Blüten. Als ich sie zu einem schöneren Platz führen wollte, verschwand sie in Nachbars Garten.

Zwar gibt es wesentlich farbenprächtigere Exemplare in der Welt der Schmetterlinge, die Gammaeule fasziniert mich jedoch wegen ihrer „Maserung“ der Flügel innerhalb eines schmalen Farbspektrums.

Der Igel unter den Fliegen

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Es gibt mehrere Arten in der Familie der Raupenfliegen (Tachinidae) oder Schmarotzerfliegen, die durch Borsten auf dem Hinterleib auffallen.

Einige Arten, zu denen auch die hier gezeigte gehört, sind nicht leicht zu unterscheiden. Während die Tachina fera überwiegend gelbe Beine hat, sind die der Tachina magnicornis dunkel. Lt. Wikipedia sind die Arten untereinander sehr ähnlich und etwas variabel, sie sind allein nach diesem und anderen Färbungsmerkmalen nicht sicher bestimmbar. Sie sind etwa so groß wie die Stubenfliege.

Gemeinsam ist jedoch ihre wirtschaftliche Bedeutung:In der Landwirtschaft sind Raupenfliegen von großer Bedeutung bei der biologischen Schädlingsbekämpfung. Besonders Insekten, die durch Massenvermehrungen nach Verschleppung in andere Kontinente erhebliche Schäden verursachten, konnten durch nachträgliche Einführung der jeweilig parasitierenden Raupenfliege (d.h., dass sich die Fliege in verschiedenen Schmetterlingsraupen entwickelt) dauerhaft unter Kontrolle gebracht werden. Beispiele dafür sind der Kleine Frostspanner und der Schwarmspinner (Quelle: Wikipedia).

Foto: 10.08.2020, Wiesbaden