Angela Niebel-Lohmann: WILDBIENEN artgerecht unterstützen – Ein Ratgeber für die Gartenpraxis

Von geschätzten 20.000 Wildbienen-Arten leben im deutschsprachigen Raum etwa 750 – und jede ist es wert, ihr Leben und ihre Ausbreitung zu unterstützen. Viele Jahre wurde über das Aussterben der Insekten und somit auch der Wildbienen lamentiert, die industrielle Landwirtschft mit dem Einsatz von Pestiziden als einer der Hauptverursacher für das Sinken der Insektenbiomasse erkannt. Inzwischen ist einiges reglementiert worden und Blühstreifen an den Ackerrändern sind nur ein schwacher Ansatz, dem „Sterben“ entgegenzuwirken, denn Unterstützung erhalten die gefährdeten Arten nicht nur durch ein Nahrungsangebot. Die gesamten Lebensbedingungen müssen angepasst, artgerecht sein. Dazu gehört, dass insbesondere der geeignete Lebensraum sowie Nisthilfen zur Verfügung gestellt werden.

Wie jeder Gartenbesitzer dazu beitragen kann, wird hier ausführlich und verständlich beschrieben. Ebenso, was er vermieden sollte, zum Beispiel Schottergärten anzulegen. Auch stehen Wildbienen in Konkurrenz zu Honigbienen, und der Trend zur Honigbienenhaltung wird im Sinne der Wildbienen als kontraproduktiv erwähnt.

Zum besseren Verständnis für die Wildarten werden 30 von ihnen porträtiert und dabei fällt auf, dass viele der Arten zu bestimmten Zeiten im Jahresablauf auftreten. So werden in diesem Buch Frühjahrs-, Frühsommer-, Hochsommer- und Herbstarten unterschieden, die je nach jahreszeitlichem Auftreten auf andere Nahrungsquellen fixiert sind. Dieses Wissen hilft bei der Bestimmung der Arten, denn die Frühlings-Seidenbiene ist nicht im Hochsommer zu beobachten, die Efeu-Seidenbiene nie im Frühjahr. Die Porträts beinhalten neben einem Foto und dem Namen die Erkennungsmerkmale, die Nistweise und das Habitat, Phänologie, Verbreitung, weiteres Wissenswertes sowie die Empfehlung, wie die Ansiedlung und ein artgerechtes Leben unterstützt werden können. Dabei weist Angela Niebel-Lohmann darauf hin, dass dieses Buch kein Bestimmungsbuch sein soll.

Ein umfangreiche Liste wichtiger Pollenfutterpflanzen schließt sich an, in der die Pflanzenart (z.B. Staude), Größe, Blütenfarbe und Anspruch auf den Boden und das Licht genannt werden. Zum Schluss werden in einem Glossar verwendete Begriffe erläutert, dazu gibt es ein Literaturverzeichnis und ein Register.

Das Buch richtet sich an interessierte Nicht-Spezialisten und zeigt auf, wie der Garten mit einfachen Mitteln umgestaltet werden kann, um Wildbienen artgerecht zu unterstützen. Wer es liest, kann im Kleinen zum Fortbestand der gefährdeten Wildbienen-Arten beitragen – und das sollten uns diese Insekten wert sein.

– – – O – – –

Angela Niebel-Lohmann: WILDBIENEN artgerecht unterstützen, Haupt Verlag (2022)

Alice Melvin: Mit Maus im Wald

Im Wald gibt es bekanntlich immer etwas zu entdecken. Tiere und Pflanzen. Zudem ereignet sich einiges im Verlauf eines Jahres. Auf solch eine Entdeckungsreise nimmt uns die Maus im Wald mit, zu einem „Spaziergang durch die Jahreszeiten“.

In herrlichen Illustrationen begleiten wir die Maus durch Wald und Jahr, treffen ihre Freunde, erfreuen uns mit ihr an einem blühenden Kirschbaum im April, sehen ihr beim Picknicken und bei der Ernte von den Früchten des Waldes und ihres kleinen Gartens zu. Im Herbst spielt sie im umher fliegenden Laub und dann wird es wieder Zeit, sich in ihr kleines Häuschen zurück zu ziehen.

Vierzeilige Texte in Reimform von William Snow – übersetzt von Susanne Weber – begleiten den Spaziergang.

Ein herrliches Buch, das durch die liebevolle und detailreiche Bildergeschichte kleine und große Leser begeistert. Aufklappbilder mit kleinen Fenstern darin machen es auch für die Kleinsten interessant und erzeugen eine Neugier, die zu vielen Fragen führen wird und genau so viele Antworten von „Mitlesern“ erfordert. So werden alle, die das Buch in die Hand nehmen, darin blättern und lesen, Spaß und Freude haben und nachempfinden, wie es der Maus im Ablauf des Jahres ergeht, was im Wald im Jahresablauf passiert.

Neben diesem „Herzstück“ mit einer Doppelseite pro Monat, zeigt eine „Karte des Waldes“ anfangs, welchen Weg die Maus im Laufe des Jahres nimmt.

Zum Schluss wird auf einer Doppelseite kurz beschrieben, was Monat für Monat im Wald zu beobachten ist. Dazu werden einige Waldbewohner kurz vorgestellt, alles Säugetiere. Mit einer zusätzlichen Seite mit Vögeln und Insekten wäre das Buch komplett gewesen.

Aber diese kleine Unzulänglichkeit trübt das Betrachten der Bilder und das Lesen der Geschichte keineswegs.

Es ist ein herrliches Buch und ich freue mich schon, wenn die kleine Enkelin auf meinem Schoß sitzend darin blättert. Sie wird begeistert sein, staunen, erzählen, was sie entdeckt, und mich mit vielen Fragen „löchern“.

– – – O – – –

ALICE MELVIN: MIT MAUS IM WALD – Ein Spaziergang durch die Jahreszeiten, Text: William Snow, aus dem Englischen von Susanne Weber, erschienen im Verlag Antje Kunstmann (2022) — Originaltitel: „Mouse’s Wood. A Year in Nature“ (GB, 2022)

Empfohlen für Kinder ab 3 Jahren

Pappel, gerappelt

Warum die Pappel geköpft wurde, ist unbekannt. Nun hat sie sich wieder gerappelt und treibt hundertfach aus. Vermutlich handelt es sich dabei um einen Kopfbaum. Bei Weiden ist mir diese Art der Holzgewinnung bekannt. Beschrieben wird das Verfahren hier: https://lpv-wittenberg.de/arten-und-biotopschutz/flurgehoelze-kopfbaeume, und da: http://baeumen.de/nsg-kleve/kopfbaume.html.

Foto vom 11.06.2022, Bastorf (Mecklenburg-Vorpommern)

Das RIND – Geschichte, Biologie, Rassen, von Catrin Rutland

Weltweit gibt es heutzutage rund eine Milliarde Hausrinder und etwa 1.000 moderne Rinderrassen.

Wie es dazu gekommen ist, beschreibt Catrin Rutland in den vier Kapiteln Evolution & Entwicklung, Anatomie & Biologie, Sozialleben & Verhalten sowie Rind & Mensch. Zudem werden in einem weiteren Kapitel einige Rassen beschrieben und ein Anhang umfasst ein Glossar, ein Verzeichnis weiterführender Literatur sowie ein umfangreiches Register.

Im Kapitel Evolution & Entwicklung werden die Vorfahren der modernen Rassen vorgestellt:

  • Der Tauriner Typ, aus dem der Auerochse hervorgegangen ist, dessen Nachfahren wir hauptsächlich in Europa antreffen
  • Der Buckelrind-Typ, aus dem sich in Südasien die heutigen Zebus oder Buckelrinder entwickelt haben
  • der Banteng, heimisch in Südostasien, in der domestizierten Form als Bali-Rind bekannt

Anatomie & Biologie wird im 2. Kapitel ausführlich beschrieben, darin auch die Milchbildung und die Nahrungsaufnahme & das Verdauungssystem. Die verschiedenen Farbschläge und Zeichnungen werden in farbigen Zeichnungen dargestellt, der genetische Code erklärt, der für die Unterschiede verantwortlich ist.

Das Kapitel Sozialleben & Verhalten informiert über Fortpflanzung und Zuchtauswahl, Lebensabschnitte wie Geburt und die Versorgung des Kalbs, das Leben in der Herde, das Verhalten und die unterschiedlichen Temperamente. Auch über Intelligenz, Krankheiten, Gesundheitsfürsorge ist zu lesen.

Dem Verhältnis Rind & Mensch ist das 4. Kapitel gewidmet, vom Rind als Wirtschaftsfaktor, der Milchviehhaltung und der Rindermast. In diesem Zusammenhang geht Catrin Rutland auch auf die Umweltbelastung und den Einsatz von Medikamenten ein. Der Anfall von Gülle und die damit verbundene Umweltverschmutzung wir thematisiert, ebenso das Tierwohl und unsere „Konsumethik“, wobei die Fakten erwähnt werden, ohne jedoch einen Appell zum Verzicht oder zur Reduzierung des Rindfleischkonsums an die Leser zu richten.

Die Verwendung als Zug- oder Reittier wird ebenso erwähnt wie Nutzung der Felle und deren Verarbeitung zu Leder. Über das Rind in der Kunst und der Religion in der Vergangenheit bis heute ist zudem zu lesen.

Im Verzeichnis der Rinderrassen werden neben einigen historischen Rassen jeweils etwa ein Dutzend Milch-, Fleisch- und Mehrnutzungsrassen vorgestellt. Angesichts der etwa 1.000 existierenden modernen Rinderrassen ist das erwartungsgemäß nur ein kleiner Teil der Rassenvielfalt, wobei zu beachten ist, dass nicht nur bei uns gehaltene Rassen verzeichnet sind, sondern auch asiatische und überseeische. Da es sich bei diesem Buch jedoch nicht um ein Bestimmungsbuch handelt, muss die geringe Auswahl wohl akzeptiert werden. Schade, hier hätte ich mir trotzdem eine größere Vielfalt gewünscht.

Catrin Rutland hat mit diesem Buch eine umfassende Monographie geschrieben, mit der sie uns die Geschichte, die Biologie, das Verhalten und den Nutzen des Rinds vermittelt. Anschauliche Fotos und ausdrucksstarke Zeichnungen ergänzen den Text zu einem gelungenen Werk.

– – – O – – –

Catrin Rutland: Das Rind. Geschichte, Biologie, Rassen, erschienen im Haupt Verlag (2022), übersetzt von Gerlinde Habekost, Claudia Vormann und Sibilla Schmitz

Titel der Originalausgabe: The Cow. A Natural & Cultural History (GB, 2021)

Wenn wir wandern …..

…… ist das sowohl ein sportliches als auch ein gesellschaftliches Ereignis, zudem ein visuelles Erlebnis.

Wir wollen etwas für unseren Körper tun, da tut Wandern den Ü-70ern gut, an der Natur erfreuen wir uns dabei zugleich. Wandern ist in unserer Gruppe aber auch ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem „über Gott und die Welt“ diskutiert wird – ja, soviel Luft, um uns dabei zu unterhalten, haben wir meist noch.

Neulich standen Blühstreifen an den Ackerrändern einige Kilometer lang im Mittelpunkt der Unterhaltung.

Dabei diskutierten die Wanderer über die Sinn des Blühstreifens als Bienenweide und Insektenhabitat versus der Notwendigkeit, auch diesen Streifen zur Gewinnung von Nahrungsmitteln zu nutzen.

So viel zum Thema „Was ist wichtig in diesen Tagen?“

Aya Nagaoka: JAPANISCHES PAPIERHANDWERK – Schreiben, Ordnen, Aufbewahren

In 30 Projekten stellt Aya Nagaoko kleine Helfer für zu Hause und unterwegs vor, die mit einigem Geschick selbst hergestellt werden können und, wenn dabei ein bisschen sorgfältig gearbeitet wird, zu ansehnlichen und nützlichen Objekten werden.

Es sind zum Teil recht einfach zu erstellende Teile wie ein Memoblock nach Art eines Streichholz-Heftchen. Japanisches Papierhandwerk ist so aufgebaut, dass die Projekte von Anfang zum Ende immer anspruchsvoller werden. Während die ersten mit wenigen Werkzeugen und geringem Materialeinsatz auch für Ungeübte in einer reinen Arbeitszeit von weniger als einer Stunde herzustellen sind, werden für einen Rezeptsammler oder ein Sammelalbum inklusive Trockenzeiten ein bis zwei Tage angesetzt.

Doch bevor das Werkeln beginnen kann, erklärt Aya Nagaoka zunächst wie dieses Buch zu verwenden ist. Unterstützt von vielen Bildern weiht sie angehende Papierhandwerker*innen in die wichtigsten Begriffe ein und stellt die notwendigen Werkzeuge und Materialien vor. Sie beschreibt die anzuwendenden Techniken wie Schneiden, Falten, Kleben, Einschlagen, Heften und weitere. Wenn dann alles bereit liegt, kann es losgehen.

Die Beschreibung der einzelnen Projekte folgt dabei immer dem gleichen Schema:

  • Ein Foto vom fertigen Objekt
  • Benötigte Materialien mit Maßangaben im Millimeter
  • Konstruktionszeichnungen, die die Maße und die Laufrichtung des Papiers einschließen
  • Eine Schritt für Schritt Anleitung, jeweils dokumentiert mit einem Foto

Alles ist einfach und nachvollziehbar dargestellt, wobei die Autorin bei einigen Objekten wie dem Buchschuber oder der Fotobox (Stülpdeckelschachtel), einfache Herstellungsmethoden beschreibt.

Mit ein wenig Erfahrung können die gezeigten Objekte auch in einem anderen Format gebaut werden.

Die Übersetzung des Buches beruht auf der englischen Übersetzung der japanischen Originalausgabe. Das hat allerdings einige Tücken, die jedoch leicht überwunden werden können.

So sind Papiere und Pappen/Karton nicht immer in den hierzulande verfügbaren Papiergewichten (Grammatur) leicht erhältlich. Statt eines Karton mit den angegebenen 230g/m² kann jedoch auch ein Fotokarton mit einem Gewicht von 300g/m² verwendet werden, bei anderen Angaben ist es ähnlich. (Entsprechende Varianten führten bei mir zu genau so ansehnlichen Ergebnissen wie auf den Fotos im Buch). Verwirren lassen sollte man sich auch nicht, wenn eine Bezeichnung bei uns nicht geläufig ist, Beispiel: Kompositpapier. Papierhandwerker*innen traue ich zu, dass sie so pfiffig sind zu erkennen, welches Material sie stattdessen verwenden können.

Zu den im Buch vorgestellten Werkzeugen und Materialien ergänze ich noch aus eigener Erfahrung:

  • Selbstverständlich können Löcher mit Locheisen geschlagen werden, ich bevorzuge jedoch einen Handpapierbohrer, der üblicherweise mit drei Bohraufsätzen geliefert wird.
  • Als Lineal, an dem mit einem Cutter Pappe, Papier oder Buchbinderleinen geschnitten wird, empfehle ich ein schweres Lineal mit Griff, das nicht so leicht verrutschen kann
  • und schließlich: Musterbeutelklammer erfüllen zwar ihren Zweck, bei einigen Objekten wie dem Memoblock verwende ich lieber Buchschrauben.

Aya Nagaoka hat mit diesem Buch eine gute Grundlage für jedermann geschaffen, der Freude daran hat, die beschriebenen Objekt herzustellen, sie zu nutzen oder ganz einfach nur zu betrachten.

– – – O – – –

Aya Nagaoka: JAPANISCHES PAPIERHANDWERK – Schreiben, Ordnen, Aufbewahren, 30 Projekte

Erschienen im Haupt-Verlag (2022), übersetzt aus dem Englischen von Jutta Orth

Titel der Originalausgabe: SHUMATSU DE TSUKURU KAMI BUNGI (2017)