Das ist Leder!

„Das ist Leder! Von A bis Z präsentiert das Deutsche Ledermuseum in Offenbach/Main einen innovativen, multimedialen Projektraum, der umfassenden Einblick in den jahrtausendealten Werkstoff gibt und erstmals die Grundlagen von Leder in einem Dialog mit der herausragenden Sammlung des Museums zeigt.“P1030820

Dabei bewegt sich das Museum nicht nur in der Vergangenheit, sondern zeigt auch neue „Lederersatzstoffe“ – z.B vegane – die heute statt der klassischen, zum Teil auch aus Artenschutzgründen nicht mehr erlaubten Lederarten, verwendet werden, oder Leder ersetzen, weil sich die Einstellung zu Tierprodukten geändert hat.

Neben dieser besonderen Ausstellung sind auf zwei weiteren Etagen viele Exponate zu sehen, wie sie in einem Ledermuseum zu erwarten sind. So sind in der Düncher-Galerie „Meisterwerke der europäischen Lederkunst“ zu bestaunen. In einem Raum befinden sich Lederprodukte aus dem Indigenen Amerika, wobei die Schrumpfköpfe inzwischen aus den Vitrinen ausgeräumt wurden. In einem weiteren Raum sind afrikanische Exponate ausgestellt und schließlich gibt es eine Leder.Weltgeschichte mit weiteren interessanten Objekten.

Im multimedialen Projektraum sind in 24 Vitrinen Objekte aus A wie Antilopenpergament über L wie Lackleder bis Z wie Ziegenleder ausgestellt. Daneben befinden sich vier große Projektionstische an deren Längsseiten jeweils acht Muster von Leder oder Materialien angebracht sind, die als Leder Verwendung finden. Legt man eine Hand auf die Muster, um zu erfahren, wie es sich anfühlt, poppen auf der Projektionsfläche einige Fenster auf.

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Direkt über dem Muster wird das Leder und dessen Verwendung beschrieben, im Fenster links daneben ist die Tierart beschrieben, von dem es stammt, darüber ein oder mehrere Fotos von Objekten des Leders, die hier im Museum ausgestellt sind. Manchmal gibt es auch ein Fenster mit dem Titel „Schon gewusst?“ über Besonderheiten von Tier oder Material.

Beim Ertasten der verschiedenen Lederarten wird bewusst, wie unterschiedlich sie auf uns wirken, nicht nur bei der haptischen Wahrnehmung – es gibt Handschmeichler unter ihnen, aber auch harte, abstoßend wirkende – sondern besonders, wenn man sich die Tiere vorstellt, von denen sie stammen. Froh sind wir, dass nicht mehr die Häute aller Tierarten zu Leder gegerbt und verarbeitet werden dürfen, empört, dass es noch bis in unsere Zeit erlaubt war.

Darüber hinaus gibt es dann die ausgefallenen Ledersorten wie das Hühnerbeinleder

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und insbesondere das Leder, das aus Seehunddärmen hergestellt wird und hunderte von Jahren von Inuits zu Taschen und Parkas verarbeitet wurde.

Ochsenfroschleder und Tiermagenleder muten ebenfalls exotisch an, gefühlt dagegen machen diese beiden Arten – „eklig“ das Froschleder, „schmeichelnd“ das vom Netzmagen und Pansen von Rindern – einen riesigen Unterschied.

Als „Aufreger“ dient noch immer das Krokodilleder, aus dem in der Vergangenheit ansehnliche Produkte hergestellt wurden, bis festgestellt wurde, dass die Mode fast zur Ausrottung der Species führte – aber schön sehen sie aus (Koffer von 1900, Kofferadio 1951):

Nach diesem Erlebnis tat es gut zu sehen, dass lederähnliche Produkte auch aus Pappe oder Kunststoffen sowie Gummi „echtes“ Leder ersetzen können. Sie sind haptisch durchaus den Tierlederarten ähnlich, bei einem „Leder“ aus dem Myzel von Pilzen ist die Lebensdauer jedoch nicht mit der von Rind, Ziege, Schwein oder anderen Tierarten vergleichbar.

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Neben einer Vielzahl von Lederarten werden auch Lederzurichtungen für bestimmte Verwendungen gezeigt und beschrieben. Für mich als Hobbybuchbinder waren das die Muster, Texte und Bilder von Buchbinderleder sowie zur Ledergestaltung durch Vergolden, Punzieren und Prägen bei Bucheinbänden.

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Einige Beispiele von Einbänden werden auch an Originalen gezeigt. So ein Pergamenteinband auf Holz von 1582:

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Das Doppelalbum  (um 1800):

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Einige Bucheinbände von Otto Fratzscher aus der Zeit von 1923-1954:

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Eine interessante Tafel, auf der der Unterschied zwischen Nubuk und Velour erklärt wurde, fiel mir auf:

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So genau hatte ich das noch nicht gewusst.

An einem Modell wird zudem gezeigt, wie die Arbeitsschritte vom Einreffen der Häute bis zum fertigen Leder  in einer Gerberei bis zum 19. Jahrhundert abliefen. Hier ein Ausschnitt des Modells, in dem gezeigt wird, wie in der Gerbgrube die Häute zum Gerben mit Lohe versetzt wurden (Anm.: Wer schon einmal durch das Gerberviertel von Marrakesch gegangen ist, hat sicher noch den üblen Geruch in der Nase) :

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Andere Lederarten, ob  Aalleder, Rochen- oder Straußenleder sowie die vieler anderer Fische, Echsen, Säugetiere sind ebenfalls in dieser Ausstellung DAS IST LEDER! zu sehen und machen das Erfühlen und das Erlesen der verschiedenen Produkte zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.

Die anderen Räume des Museums sind ebenfalls sehenswert und interessant, aber so wie es in einem Museum so normal ist: Exponate mit einer kurzen Beschreibung.

Hier einige Beispiele:

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Zeremonialgewand und Haube eines Königs (Nigeria)

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Afrikanische Masken, Pergament auf Holz

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Scout-Mantel. Auf der Schulter und am unteren Mantelrand Verzierungen mit Wildschweinborsten. Aus der Gegend um St. Louis, 19.Jh.

Diverse Schuhe gibt es auch zu anzuschauen. Damenschuhe aus den 20ern des letzten Jahrhunderts,

auch diesen „Zehenschuh“ oder den „Große-Onkel.Schuh“:

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Kuriositäten und für Zeitgeschichte und Wissenschaft interessante Stücke – für jeden ist etwas dabei.

Die Präsentationen und insbesondere die Beleuchtung waren oftmals nicht optimal – meine Kameraausrüstung gar suboptimal. Hervorzuheben allerdings, dass das Fotografieren für private Zwecke erlaubt ist.

Ein kleiner Gag noch aus der Eingangshalle: Der mit „Schlangenleder“ aufgepimpte Motorroller:

Zum Schluss der Lnk zur Website des Deutschen Ledermuseum in Offenbach: hier

 

 

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Was ich im Leben verpasst habe,

….. weil ich nicht wusste, dass es das gibt:

Ein Accessoire aus Hühnerbeinleder. Schön wäre es gewesen, einen Gürtel oder ein Uhrarmband aus diesem Leder zu besitzen.

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Ein Mantel aus Seehunddarm hätte mich heute vor ekligem Regen geschützt, dann bräuchte ist nix, das wie Wolfshaut klingt.

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Mehr von meinem Streifzug durch das Deutsche Ledermuseum in Offenbach demnächst auf diesem Blog. Mit der Sonderausstellung  Das ist Leder! Von A bis Z präsentiert das DLM einen innovativen, multimedialen Projektraum, der umfassenden Einblick in den jahrtausendealten Werkstoff gibt und erstmals die Grundlagen von Leder in einem Dialog mit der herausragenden Sammlung des Museums zeigt.

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BREHMS TIERLEBEN – Die Gefühle der Tiere. Mit einer Einführung von Karsten Brensing

IMG_9493Die Zeiten, in denen das Verhalten der Tiere auf Reflex und Instinkt reduziert wurde, sind seit einigen Jahrzehnten vorbei. Dabei war es vor rund 150 Jahren bereits Alfred Brehm (1829-1884), der in seinem Brehms Thierleben darlegte, wie Tiere fühlen und denken, aus seinen Beobachtungen schloss, dass sie über Verstand und Mitgefühl verfügen.

In diesem Buch sind 23 Arten in den Originaltexten der 2. Auflage von Brehms Thierleben enthalten, inklusive der dazugehörigen herrlichen und detaillierten Illustrationen von Gustav Mützel und Eduard Oscar Schmidt. Allein die Bilder sind es Wert, dieses Buch anzuschauen.

Lesenswert ist dieses Buch allemal, führt es uns in die Arbeit Brehms, in der vieles romantisch klingt wie der Beginn des Artikels über den Igel. Scan_0004

Doch dann folgt eine recht genaue Beschreibung des Aussehens, seines Verhaltens und des Lebenszyklus – bis hin zur Zubereitung zwecks Verzehr. Einige Passage erwecken dabei ein Schmunzeln, über andere kann nur gestaunt werden, wie genau die Beobachtungen von Alfred Brehm waren, worauf er achtete. Das geschickte und intelligente Vorgehen des Fuchses bei dessen „Schleich- und Raubzügen“ wird präzise beschrieben und zeigt, dass sich Brehms intensiv mit seinen Objekten beschäftigt hat.

Neben Fuchs, Igel, Zwergmaus und anderen – Loriot würde sagen – possierlichen Tierchen, sind hier aber auch so spektakuläre Spezies wie Seealder und Alpensteinbock beschrieben, ebenso wie die scheinbar wenig beeindruckenden Landschnecken oder die Stubenfliege.

Es ist ein gelungener Querschnitt aus der europäischen Tierwelt, der hier aus Brehms vielbändigen Werk exemplarisch zusammengestellt wurde.

Diese Beschreibungen sind ebenso in den vielen Ausgaben und Auszügen von Brehms Tierleben nachzulesen. Hier stehen sie jedoch im Zusammenhang mit der ausführliche Einführung in das Werk durch Karsten Brensing.

Der Verhaltensforscher zeigt, was Brehm so besonders macht, weist die Leser auf die Bedeutung des Tierforschers hin und begründet, warum dieses nahezu 150 Jahre alte Werk auch heute noch äußerst lesenswert ist.

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BREHMS TIERLEBEN

Die Gefühle der Tiere

Mit einer Einführung von

Karsten Brensing

DUDEN VERLAG, 2018

Die Lampen können geputzt werden

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Das Lampenputzergras (Pennisetum alopecuroides) wurde im Frühjahr in einen Kübel gepflanzt und kümmerte dort zunächst vor sich hin. Offensichtlich wurde es zu wenig gegossen. Nachdem ich alle vertrockneten Blätter abgeschnitten habe und von dem Zeitpunkt an die Pflanze so gegossen habe, dass der Ballen nicht austrocknete, kamen frisches Grün und zahlreiche Blütenähren.

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