Er wird mich nicht mehr besuchen: Gartenschläfer

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Es ist kein appetitliches Bild: Ein toter Gartenschläfer (Eliomys quercinus) auf dem Fußweg vor dem Haus. Die ersten „Aasfresser“ beginnen bereits mit der Nahrungsaufnahme. Neben einer Wespe, die sich gerade unter dem Kopf des toten Tieres befindet, auch eine Graue Fleischfliege (Sarcophaga carnaria):

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Auch andere Insekten wie die Goldfliege (Lucillia sericata) sind schon da:

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Noch weniger appetitlich, wenn ich daran denke, dass diese Aasfresser morgen dann wieder am Frühstückstisch auf der Terrasse zu Gast sind, aber:

That’s life

Hier ein Foto vom Mai 2016, fotografiert aus meinem Büro und beschrieben HIER

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Keine Angst vor Spinnen – Der Ratgeber für Menschen mit Spinnenphobie von Ursula Galli, Gianandrea Pallich, Leandra Pörtner

IMG_0150Ein hysterischer Schrei, dann: „Spinne, mach sie weg!“ Zu Hause, am Arbeitsplatz, irgendwo beim Picknick. Wir kennen die Situation. Entweder sind wir es, die mit Angst verzerrtem Gesicht vor einer Achtbeinerin erstarrt sind, oder wir sind diejenigen, die die Situation klären sollen.

Fast jeder von uns kennt diese Situation – ich immer von der Seite des Helferleins. Dann frage ich mich, was ich tun kann, um einerseits kurzfristig die Lage zu entspannen, andererseits der/dem Arachnophoben zu helfen, sich von dieser Phobie zu befreien.

„Ist doch nicht so schlimm, die tut doch nix“ hilft nicht, weil Angst und Ekel vor Spinnen so eingebrannt ist, dass sie nicht durch einen simplen Spruch behoben werden können.

Das Phänomen der Spinnenphobie beschreiben Ursula Galli und Gianandrea Pallich aus der Züricher Praxis für Psychotherapie und Psychosomatik zusammen mir Leandra Pörtner vom Walter Zoo – nicht nur für die Betroffenen sondern auch für Familienmitglieder, Freunde, Kollegen.

Dabei beschäftigen sie sich zunächst mit dem Thema Angst – wie sie funktioniert, ab wann sie krankhaft ist und wann und warum sich jemand seinen Ängsten und Phobien stellen sollte. Danach erst wird auf die Arachnophobie eingegangen, unterschiedliche Empfindungen und Auswirkungen detailliert dargestellt.

Das führt zu der Frage: „Was hilft gegen Spinnenphobie?“ Hier zeigt sich die Kompetenz der beiden erstgenannte Autoren, die über eine langjährige Erfahrung von Seminaren über das Thema „Spinnenphobie bewältigen“, insbesondere aber auch über ihre Arbeit in der Einzelpsychotherapie und Gruppentherapie einbringen.

Dazu gehört auch, Spinnen und ihre Lebensweise zu verstehen – ein weiteres Kapitel – sowie die verschiedensten Mythen über die Gefährlichkeit und Unwahrheiten über die Spinnentiere aufzuführen und zu klären.

Das Buch bietet weiter konkrete Strategien zur Selbsthilfe und bietet zum Schluss Arbeitsblätter zu Übungen zur Unterstützung der Angstbewältigung.

Es erhebt keinen Anspruch darauf, ein Patentrezept zur Bewältigung der Spinnenphobie zu sein. Zu individuell sind die Gründe, die zu solch einem Zustand oder zu dieser Krankheit führen können. Das Buch kann jedoch Anstoß sein, sich damit in einer Weise zu beschäftigen, die dazu führt, dieses Phänomen besser zu verstehen und in einem zweiten Schritt Lösungen zu suchen, sich davon zu trennen.

Zugleich fördert diese kleine Schrift aber auch das Verständnis für Familienmitglieder, Freunde oder Kollegen, wenn wieder einmal ein Angstschrei zu hören ist und man sich überlegt: „Was kann ich tun, um zu helfen?“. Auch diesen Fragen ist ein kleines Kapitel eingeräumt. Wichtigster Punkt: Angst und Reaktion ernst nehmen, die bei der Begegnung einer Spinne entsteht. Und da Angsterkrankungen gut zu behandeln sind, empfehlen die Autoren, die Betroffenen zu ermutigen, etwas zu unternehmen, um sich von dieser Angst zu befreien.

Ein interessantes Buch für Betroffene dieser Phobie, aber auch für Personen, die Arachnophobiker erleben, ein besseres Verständnis dafür bekommen wollen und vielleicht damit ein kleines bisschen helfen können, ohne gleich zum Therapeuten werden zu wollen.

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Ursula Galli, Gianandrea Pallich und Leandra Pörtner: Keine Angst vor Spinnen, erschienen 2020 bei Hogrefe

Ein Schemen an der Glaswand vom Windlicht

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Das Objekt ist 3-4 mm lang, fast durchsichtig, nachts um 12 am Windlicht auf der Terrasse.

Auf die Frage an die Mitglieder eines Insektenforums nach der Art der Schabe erhielt ich nur eine einzige Antwort: „Sieht aus wie die Nymphe einer Bernsteinwaldschabe (Ectobius vittiventris).“ In Wikipedia ist zu lesen: Sie wird von künstlichen Lichtquellen angelockt. Das würde passen. Wir hatten zunächst an eine Deutsche Schabe (Blattella germanica) gedacht.

Auf jeden Fall ist es eine junge Schabe.

Was Du heute kannst besorgen…….

Manchmal ist es gut, wieder an eine Redewendung erinnert zu werden. Und manchmal ist es sogar sinnvoll, sich danach zu richten. So sind bereits vor Monaten zwei Bücher bei mir eingetroffen, in denen Redensarten und -wendungen erklärt werden. Denn nicht jede dieser alten Weisheiten, Erkenntnisse oder Empfehlungen ist so nachvollziehbar wie die, die daran erinnert, „To do“- Angelegenheiten nicht „auf die lange Bank zu schieben“, sondern umgehend zu erledigen. Heute somit die Besprechung von zwei Büchern zu diesem Thema.

IMG_9868Damit sind wir mittendrin in den Redewendungen, die Katharina Mahrenholtz und Dwan Parisi in „Allerhöchste Eisenbahn“ auf ihren Ursprung und die Bedeutung zu erklären versuchen. Dabei ist die Suche nach dem Ursprung nicht immer einfach. War es im 5. Jahrhundert ein Mönch namens Arnobius, der den Begriff „auf die lange Bank schieben“ erfunden hat? Oder ist es ein Ausdruck aus dem Mittelalter, als die Akten in Truhen aufbewahrt wurden, die auch als Bänke dienten? Wenn die Truhen voll waren, wurden die Akten auf den Truhendeckel gelegt und neue Dokumente schoben die älteren nach hinten. Möglicherweise war mit der „langen Bank“ auch der Immerwährende Reichstag (1663-1806) gemeint, der als Ständevertretung in Regensburg stattfand und deren Mitglieder viele Stunden auf langen Bänken auf die Entscheidung der Richter warteten, die sich offenbar ewig berieten und gern Entscheidungen vertagten.

Es sind jedoch nicht nur die Erklärungen über die (mögliche) Herkunft einer Redewendung, denn nach dem Motto Andere Länder andere Sitten erfahren wir auch, welche ähnlichen Phrasen in anderen Ländern einer deutschsprachigen nahe kommen. „Aller guten Dinge sind drei“, ein Ausspruch zur Rechtfertigung , dass jemand etwas ein drittes Mal tut, entspricht in etwa dem angelsächsischen „Third time lucky“ oder in Frankreich „Jamais deux sans trois“, wobei die Bedeutung sich doch von der deutschen unterscheidet.

Da vielfach Begriffe auch verloren gegangen sind – wer weiss noch, was die Leisten für Schuster für Bedeutung hatten? -, ist eine Erklärung notwendig, zumal viele der Redensarten ihren Ursprung im Mittelalter oder gar bei den alten Griechen oder den Römern haben, manche auch aus der Bibel stammen.

Auch die Gaunersprache hat zu Redewendungen geführt. Mit „Kohldampf schieben“ und „Schmiere stehen“ seien nur zwei Beispiele aus diesem Buch genannt.

Und dann gibt es auch noch neue Redewendungen, die wir in den letzten Jahrzehnten verinnerlicht haben. Sie stammen aus Loriot-Sketchen wie „Früher war mehr Lametta“ oder sind unbekannten Ursprungs wie „Das Leben ist kein Ponyhof“.

Wer  bisher von Tuten und Blasen keine Ahnung hatte – also wie anno dunnemals wie ein Nachtwächter durch die Gegend läuft – kann hier einiges lernen, auch wenn er schon Hans und nicht mehr Hänschen ist. Diese Redewendung habe ich allerdings nicht in dem nach Schlagworten alphabetisch angelegten Buch nicht gefunden. Doch das soll kein „Wermutstropfen im Becher der Freude sein“ (abgeleitet von einem Zitat aus „Der Cid“ von Pierre Corneille, erschienen 1636).

Die Auswahl gut gelungen und die Texte von Katharina Marenholtz interessant und kurzweilig. Aufgelockert durch Illustrationen von Dawn Parisi, erschienen im Dudenverlag (2020)

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Mit „Hand aufs Herz“ beschränkt sich Rolf-Bernhard Essig auf Redensarten von Kopf bis Fuß und ihre wunderbaren, teilweise kuriosen Geschichten.

IMG_9869Dass diese Beschränkung Hand und Fuß hat, beweist Essig in geschätzt weit über 1000 Redensarten, denn diese allein sind Buch füllend. Bei mehr würde mir vermutlich der Schädel platzen. Der Inhalt ist in verschiedene Kapitel als Oberbegriffe für unseren Körper unterteilt – Kopf, Rumpf, Extremitäten und das Kapitel „Die Haut, das Fleisch & die inneren Organe“. Unterkapitel präzisieren in einer zweiten Stufe die Körperteile, im Kapitel „Kopf“ zum Beispiel Mund, Nase, Ohren, Haare und andere. Und !Leck mich am Arsch! (Entschuldigung, steht auch drin), für jeden Begriff beschreibt der Autor die Herkunft und die Bedeutung der Phrase, Redensart und auch Werbeslogans wie „Dahinter steckt ein kluger Kopf“ dem bekannten Motto aus der Zeitungswerbung.

So erfahren wir aus berufenen Mund, was unser Körper so unter dem Aspekt Redensart in verschiedenen Lebenssituationen im Laufe von Jahrhunderten hergegeben hat. Es ist nicht immer stubenrein, manche würde ich in Gegenwart von Kindern NIE nutzen. Essig hat kein Blatt vor den Mund genommen und zeigt damit wie vielfältig die Begriffe um Kopf und Kragen sind. Man kann das Buch ins Herz schließen.

Mit Illustrationen von Detlef Surrey ist das Buch 2020 ebenfalls im Dudenverlag erschienen.

Landung auf und an dem Wasser: Wespen

Zum Trinken landen die meisten der Feldwespen auch in diesem Jahr wieder auf dem Wasser der Vogeltränke. Inzwischen haben viele von ihnen wieder Vertrauen zur Oberflächenspannung des Wassers, das in der Tränke etwa 3 cm hoch steht. Die deutsche Wespe und ihre Artgenossinnen landen dagegen am Rand und krabbeln kopfüber zum Wasser um zu trinken.

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Die Mutige, eine Gallische Faltenwespe (Polistes dominula)

und die Vorsichtige, eine Deutsche Wespe (Vespula germanica)

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Beide Arten kamen zeitgleich zur Vogeltränke, Fotos vom 13.07.2020, Wiesbaden

Pelargonien, trivial als Geranien bezeichnet

Der botanische Gattungsname ist aus dem griechischen Wort pélargos (πέλαργος) für „Storch“ abgeleitet und bezieht sich auf die storchschnabelartig verlängerte Form der Früchte (Wikipedia).

Sehr schön zu sehen, der Storchenschnabel:

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Hierzulande ist allerdings der Kranich zumeist Namensgeber für diese Gattung in der Familie der Storchenschnabelgewächse: Das griechische Wort géranos, γέρανος, bedeutet „Kranich“.

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Randnotiz: Der Farbe der roten Blüten stammt überwiegend von dem Anthocyanidin „Pelargonin“ mit der Summenformel C27H31O15Cl mit folgender Strukturformel:

Pelargonidin 3,5-diglucoside.png

(Falls jemand Interesse an dem Farbstoff hat, er ist im Handel verfügbar, 5 Milligramm für 275,00 €. Möglicherweise handelt es sich um ein Produkt, das ich vor rund 40 Jahren persönlich aus den Blüten isoliert habe, aber sicher bin ich mir da nicht.)

 

 

Nur ’ne Fliege

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Graue Fleischfliege (Sarcophaga carnaria), auch: Aasfliege – auf einem Funkienblatt, gehört zur Familie der Fleischfliegen (Sarcophagidae)

Foto vom 10.07.2020, Wiesbaden

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Blaue Schmeißfliege (Calliphora vicina) – auf der Frucht einer Zwergorange

Foto vom 25.05.2020, Wiesbaden

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Goldfliege (Lucillia sericata), ebenfalls aus der Familie der Schmeißfliegen (Calliphoridae)

Foto vom 10.07.2020, Wiesbaden

Love is ….

Es war in den 70ern des letzten Jahrhunderts, als die Cartoons von Kim Casali unter dem Titel „Liebe ist …“ auch in Deutschland erschienen. Ein nackiges Pärchen stellte immer einen liebenswerten Spruch dar, dessen zweiter Teil unter der Zeichnung der beiden in Worten beschrieben wurde.

Mir ist ein Cartoon davon in Erinnerung geblieben, an den ich beim Anblick der beiden Möwen denken musste.

Liebe besteht nicht darin, dass man einander ansieht, sondern dass man gemeinsam in die gleiche Richtung blickt.

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Das Zitat aus Terre des hommes (Titel der deutschen Übersetzung: Wind, Sand und Sterne) von Antoine de Saint-Exupéry ist in dem Cartoon – wenn ich mich recht erinnere – verkürzt wiedergegeben worden.

Die „gleiche Richtung“ als Metapher für den Blick in die gemeinsame Zukunft. Noch heute wird der Spruch in Reden zu Goldenen Hochzeiten und anderen Ereignissen, bei denen ein Ehepaar auf eine lange gemeinsame Zeit zurück blickt, malträtiert.  Zu Hochzeiten ebenfalls.

Gemeinsam in die gleiche Richtung schauen. Haben wir getan. Aber das „Einander ansehen“ haben wir nicht unterdrückt.

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Auf was für Gedanken man im Strandkorb an der Ostsee doch so kommt.

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Offenbar ist die Liebe zu Liebe ist … immer noch vorhanden. Tagesabreißkalender, Wandkalender, Postkartenkalender und andere Liebe ist … -Produkte sind für das Jahr 2021 bereits erschienen. Die brauche ich nicht. Ich habe eine Erinnerung.

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Die Erfinderin dieser Cartoon-Reihe ist längst verstorben. Einer ihrer Söhne führte das Werk fort. Zu Kim Casali: HIER